MINIK

  • Dokufilm DVD
  • deutsch
    82 Min.
    550959 DEnicht mehr im Handel

    Originaltitel: Minik
    Regie: Axel Engstfeld
    Musik:  
    Darsteller: Anuu Jin Boldsaikhan, Uuganbayar Tserendorij, Zdenek Stepánek, Bayrkhuu Sukhee
    Deutschland 2005

    MINIK - New York ist kälter als der Nordpol

    Von einer Expedition nach Grönland verfrachtet der US-amerikanische Polarforscher Robert Peary im Jahr 1897 eine ganze Eskimofamilie mit seinem Schiff nach New York. Massen von Schaulustigen drängen sich am Hafenkai, um die Fremden aus dem Eis zu begaffen. Im Keller des Naturkundemuseums hält man die Menschen als lebendige Versuchsobjekte für allerlei Studien und Forschungen. Über dieses Volk aus der Arktis ist zu der Zeit kaum etwas bekannt. Nach der damaligen Theorie der Kulturevolution sieht man die Eskimos als lebende Fossilien, als eine Art Vormenschen.
    Das ungewohnte Klima bekommt den Eskimos nicht gut. Sie werden krank und erleiden einen frühen Tod - alle bis auf den 10jährigen Minik. Der Junge überlebt als einziger. Perfekt täuscht man ihm die traditionelle Bestattungszeremonie für seinen verstorbenen Vater vor. Der Junge ahnt nicht, daß der tote Körper seines Vaters in Wirklichkeit der Forschung zufiel und das Skelett als Ausstellungsstück ins Museum kam. Der Museumsangestellte Wallace adoptiert das Waisenkind. Minik geht zur Schule und lernt die Lebensart der weißen Nordamerikaner.
    Peary unternimmt derweil weitere Expeditionen in die Polarregion. Er will als erster Mensch bis zum Nordpol vordringen. Zu jener Zeit herrscht darum ein regelrechter Wettlauf zwischen Abenteurern und Forschern verschiedener Nationen. Auf einer seiner Reisen nimmt Peary eine Eskimofrau und zeugt Nachkommen. Während er sich ohne Beweise vorzulegen zum Entdecker des Nordpols erklärt, hat der inzwischen erwachsen gewordene Minik die Wahrheit darüber erfahren, was mit ihm und seiner Familie geschehen ist. Er erhebt schwere Anschuldigungen gegen Peary.
    Mit 5 Dollar in der Tasche bricht Minik auf gen Norden in seine Heimat. Weit kommt er nicht. Doch dann läßt man ihn mit einer offiziellen Expedition nach Grönland mitfahren. 12 Jahre nach seiner Verschleppung kehrt Minik zurück in eine Welt, die ihm fremd geworden ist. Die Muttersprache hat er fast vollständig vergessen. Sein Volk muß ihn vieles von neuem lehren. Er kann nie wieder Fuß fassen im traditionellen Leben der Eskimos. Eine zeitlang arbeitet er als Führer für amerikanische Expeditionen. 1916 fährt Minik wieder nach New York, um mit Peary abzurechnen. Doch Amerikas Aufmerksamkeit gilt jetzt dem Krieg in Europa. Minik findet kein Gehör, er wird vergessen...

    Die Tragödie des Eskimojungen Minik wurde nicht als erzählerischer Spielfilm umgesetzt, sondern als Dokumentarfilm. Der gestaltet sich aus nachgestellten Spielszenen und historischen schwarz-weiß Aufnahmen und Fotos aus den Archiven. Dazu gibt es Interviews mit den aufgespürten Nachkommen von Peary.
    Es mag aus heutiger Sicht empörend erscheinen, wie menschenverachtend vor gut 100 Jahren noch mit Angehörigen fremder Völker umgegangen wurde. Doch damals entsprach es der allgemeinen Auffassung auch in Wissenschaft und Lehre, daß Eingeborene nicht dieselben Menschen sind wie Europäer. Viele der gefeierten Entdecker und Erforscher des 19. Jahrhunderts praktizierten fragwürdige Methoden im Umgang mit Völkern anderer Kontinente. Der biologisch abgeleitete Rassismus aus den Anfängen der Anthropologie bildete so auch ein Fundament für die Entstehung des Faschismus. Ob die heutige Gleichmacherei aller Menschen ungeachtet ihrer Herkunft der Weisheit letzter Schluß ist, wird sich in der Zukunft noch zeigen. Der Fall Minik legt nur dar, was für eine weitreichende Funktion das von der Wissenschaft deklamierte Menschenbild bei der Ausformung von Ideologien hat. (Pino DiNocchio)


    550959 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 82 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
    Extras:  


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