PADRE PADRONE

  • Film DVD
  • italienisch
    109 Min.
    englische Untertitel
    614194 UK
  • Film DVD
  • italienisch
    109 Min.
    deutsche Untertitel
    614192 CHnicht mehr im Handel

    Originaltitel: Padre Padrone
    Filmlänge: 102 Min. ohne Vor- und Abspann
    Regie: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
    Musik:  
    Darsteller: Fabrizio Forte, Omero Antonutti, Saverio Marconi, Marcella Michelangeli, Nanni Moretti
    Italien 1977

    PADRE PADRONE

    Bauer Efisio holt mit Gepolter seinen Sohn aus der Dorfschule, weil er ihn zum Arbeiten braucht. Die vom Gesetz verordnete Schulpflicht interessiert ihn nicht, solange das Gesetz ihm zugleich Armut verordnet, indem es ihm die Arbeitskraft seiner Kinder entzieht. Der kleine Gavino soll fortan die Schafe hüten.
    Erst 6 Jahre ist er, als der Vater ihn mit dem Esel hinauf zur Weide bringt. Das karge, felsige Bergland Sardiniens ist von trostloser Einsamkeit. Gavino wird hier die Herde der Familie bewachen. Er muß das Vieh beschützen vor wilden Tieren, vor Dieben oder davor, zu weit wegzulaufen und sich zu verirren. Täglich muß er die Schafe melken. Der Vater zeigt ihm, was er wissen muß.
    Mehrfach versucht der ängstliche Junge auszureißen, aber der strenge Vater prügelt ihn zum Gehorsam, demütigt das Kind mit Schlägen und Drohungen, schüchtert es so sehr ein, daß es vor Furcht erstarrt. Gavinos Widerstand nutzt nichts.
    Dem Sohn des Nachbarn geht es nicht besser. Antonio wird von seinem Vater ebenfalls gezüchtigt, nur weil er mit Gavino den Platz am Feuer geteilt hat. Der aus Steinen aufgeschichtete Unterstand auf der windgepeitschten Bergweide wird Gavinos Heim. Ganz allein muß der kleine Junge dort bleiben. Es ist eine verlassene Kindheit in der rauhen Ödnis, ohne Freunde, ohne Familie, ohne Liebe. Der Knabe entdeckt, wie er seine körperlichen Triebe mit den Tieren befriedigen kann. Stets herrscht der übermächtige Vater über Gavinos Schicksal.
    Gavino wird groß. Sein Handwerk kennt er, aber sonst ist er als Mann mit 20 Jahren noch dumm wie ein Kind. Noch immer steht er unter der erbarmungslosen Knechtschaft des Vaters, des Patrons.
    Bauer Efisio investiert alles in den Olivenhain. Doch die Agrarpolitik der EG ruiniert die italienischen Olivenproduzenten. Ein später Frosteinbruch zerstört die Bäume und damit die Existenz der Bauern. Jetzt gibt es für die jungen Männer im Dorf keine Zukunft mehr. Gavinos ehemalige Schulkameraden wandern geschlossen von Sardinien als Gastarbeiter nach Deutschland aus. Gavino sieht die Chance, seinem dominanten Vater zu entkommen, der verhaßten Heimaterde den Rücken zu kehren. Weil er aber nicht lesen und rechnen kann, darf er nicht mitfahren.
    Satt dessen kommt er zum Militärdienst aufs Festland. Er lernt dort Radiotechnik, und er beginnt mit übernatürlichem Ehrgeiz, seine versäumte Schulbildung in Eigenstudium nachzuholen. Gavino möchte es in seinem Leben zu mehr bringen als ein armer Bauer auf Sardinien zu sein. Der Vater straft die Pläne seines Sohns mit Verachtung. Gavinos Bestreben, mit der uralten Tradition seiner Heimat zu brechen, alles zu beenden, was seine Familie seit Generationen erhalten hat, das ist für den Patron ein bitterer Verrat. Der Machtkampf zwischen Vater und Sohn scheint kein Ende zu nehmen. Der nach Freiheit und Selbstverwirklichung hungernde Hirtenjunge stemmt sich weiter gegen den despotischen Familienpatron...

    Die Autobiografie von Gavino Ledda erzählt eine Familienchronik des Niedergangs. Das traditionelle Leben der sardischen Bauern erfuhr ab den 1960er Jahren einen Bruch. Die altertümliche Landwirtschaft konnte am europäischen Gemeinschaftsmarkt nicht mehr bestehen. Die westdeutsche Industrie verhieß mit Arbeitsplätzen, wo sich gut Geld verdienen ließ. Auch die hierarchischen Machtstrukturen in den Familien wurden mit den Veränderungen in Frage gestellt.
    Gavino ist eine Figur, in der sich durch das Aufwachsen in trostloser Armut, Einsamkeit, Entbehrung und emotionaler Kälte ein glühender Lebenswille aufstaut. Gavino schwimmt mit unermüdlicher Kraft gegen die reißende Strömung. Was den kleinen Jungen nicht gebrochen hat, das machte ihn stark. Sich aus den Fesseln des Vaters zu befreien, um sich eine eigene Perspektive zu erarbeiten, das wird Gavinos Lebensaufgabe.
    Das italienische Fernsehen verfilmte Gavinos Geschichte 1977 als leidvolles Kindheitsdrama und als Abgesang auf eine versinkende alte Inselkultur. Daß Sardiniens archaische Landwirtschaft mit der industriellen Agrarproduktion nicht mithalten kann, ist logisch. Sardiniens Zukunft läge heute in einer programmatischen Ausrichtung auf die Märkte für biologische Lebensmittel, für deren Erzeugung die kleinbäuerliche Handarbeit prädestiniert ist. So müßte die traditionelle Lebensweise zumindest nicht ganz untergehen. (Pino DiNocchio)


    614194 UK
    Tonspur: Italienisch
    Untertitel: E
    Länge: 109 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.66
    Extras: Bonus Disc: Interview mit den Regisseuren


    614192 CH
    Tonspur: Italienisch
    Untertitel: D
    Länge: 109 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.66
    Extras:  


    ©   2007 / 2012 by TAMINGO Media Publishing