KOMBAT SECHZEHN

  • Film DVD
  • deutsch
    89 Min.
    653129 DEnicht mehr im Handel
  • Film DVD
  • deutsch
    89 Min. / Special Edition
    653125 DEnicht mehr im Handel
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    89 Min.
    653127 DEnicht mehr im Handel

    Originaltitel: Kombat Sechzehn
    Regie: Mirko Borscht
    Musik: Alexander Istschenko
    Darsteller: Florian Bartholomäi, Ludwig Trepte, Max Mauff, Falk Rockstroh, Dirk Borchard, Matthias Schweighöfer, Sven Lubeck, Max Oelze, Christine Diensberg, Alice Dwyer, Isabelle Mbarga
    Deutschland 2005

    KOMBAT SECHZEHN

    Georg muß mit seinem Vater wegen dessen beruflicher Projekte von Frankfurt am Main ins tiefste Ostdeutschland nach Frankfurt an der Oder umziehen. Gefragt wird der 16jährige Teenager nicht. Zurücklassen muß er seine Freundin und seine geplante Teilnahme an den Landesmeisterschaften im Kampfsport Taekwondo.
    Es ist ein fremdes Land, dieses andere Deutschland. In der Schule hat eine Clique von rechtsradikalen Schlägern das Sagen. Die wollen dem Neuling gleich zeigen, wo es lang geht, und fordern ihn zum Kräftemessen mit Fäusten. Georg weiß sich zu behaupten. Der gut trainierte Kampfsportler vermöbelt die Großmäuler meisterlich. Das imponiert deren Anführer Thomas, einen guten Kämpfer hat er gern an seiner Seite. Ohne es überhaupt zu wollen, wird Georg in die Gruppe aufgenommen und muß widerwillig die rechtsextremen Einstellungen ertragen, mit denen er in dem neuen Freundeskreis konfrontiert wird. Zuhause steht der Junge im offenen Konflikt mit dem egoistischen Vater, der auf die Bedürfnisse seines Sohns keine Rücksicht nimmt. So treibt es ihn teils aus Trotz, teils aus dem Verlangen nach Zuwendung zu jenen Gleichaltrigen, deren Welt ihm doch so völlig fremd ist. Vor ihm tut sich eine unüberwindliche Schlucht der Widersprüche auf zwischen seinem bisherigen Leben und dieser neuen Umgebung. Zunehmend verliert der Schüler seine innere Stabilität, seine noch junge Persönlichkeit gerät ins Wanken. Mit fortschreitendem Verlust seiner Identität wird Georg hineingesogen in eine Spirale selbstzerstörerischer Gewalt...

    Das ist der wichtigste deutsche Film des Jahres 2005! Denn das ist ein Film, der Relevanz besitzt.
    Für den Betrachter aus dem Westen erscheint die bizarre Beton-Architektur von Frankfurt / Oder bisweilen wie die unterkühlte Kulisse eines Science Fiction Films aus den 1970er Jahren: großräumig, unorganisch, steril. Der Regisseur und sein Team haben in jeder Hinsicht Bilder komponiert, die eine eigentümliche Ästhetik ausstrahlen. Die Drehorte und Kulissen sind authentisch. Zwar wurde einiges aus künstlerischen Gründen leicht zusätzlich ausgeschmückt, aber vieles ist so echt wie die riesige Deutschlandfahne im Klassenzimmer; die hängt dort im Original wirklich, die wurde nicht von der Filmcrew aufgehängt, um ein vermeintlich plattes Klischee zu bedienen, welches, wie man sieht, keineswegs ein Klischee ist, sondern eine mitunter befremdliche Normalität im Osten. Auch daß bei den Dreharbeiten, wo mitten in der Stadt auf offener Straße die Darsteller rechte Parolen brüllten, die Bürger ohne jede Reaktion vorbeigingen, zeigt, daß so was dort völlig normal ist.
    Die jugendlichen Schauspieler leisten ganzen Einsatz. Sie legen Kampfszenen von einer Härte und Intensität vor, wie man sie im deutschen Jugendfilm bisher noch nicht gesehen hat. Schonungslos wird die ganze Brutalität gezeigt, in der sich die Figuren in der Geschichte ergehen. Es ist vor allem auch die destruktive, schmerzhafte Gewalt gegen sich selbst. Am Ende zerfleischen sich die Faschos in ihrem Gewaltrausch gegenseitig.
    Das Thema Rechtsradikalismus unter Jugendlichen wird nicht mit dem politischen Zeigefinger behandelt und auch nicht moralisch gewertet. Es stellt vielmehr nur den Rahmen für die zu erzählende Geschichte über die Irrfahrt eines Teenagers, dem jeglicher sozialer Halt entrissen wurde. Es ist die gegebene Kulisse, weil es am Ort des Geschehens die Realität ist. An einem anderen Ort könnte es ebensogut linker oder religiöser oder irgendein anderer Extremismus sein, der die Jugendlichen befällt.
    Im Kern geht es um den psychologischen Prozeß der Desorientierung eines Heranwachsenden, wenn stabile soziale Strukturen und Perspektiven wegbrechen. Georgs vermeintliche Selbstsicherheit, mit der er am Anfang auftritt, erweist sich als sehr unreife Geisteshaltung, die er aus seiner Leidenschaft für den Kampfsport zieht. Insofern sind sich er und Thomas ähnlicher als es aussieht. Die zentrale Gemeinsamkeit ist die Gewaltbereitschaft, die beide, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus, auszeichnet. Wo es oberflächlich so scheint, als hätte Georg in dieser radikalisierten Umgebung kaum eine andere Alternative, als sich der alles dominierenden Clique anzuschließen, so trifft das doch nur insoweit zu, als er durch seine mitgebrachten Voraussetzungen, nämlich Konflikte mit körperlicher Gewalt auszutragen, dafür prädestiniert ist. Ein intellektuell überlegener Schüler, der sich nicht übers Zuschlagen definiert, hat wohl durchaus noch andere Möglichkeiten. Das Abgleiten von Jugendlichen in radikale Gruppierungen ist keine Zwangsläufigkeit, sondern eine Folge milieubedingter Verhältnisse. Dabei geht das Gefährdungspotential, wie der Film zeigt, weit über die unteren Gesellschaftsschichten hinaus. Georg kommt aus der Mittelschicht, hat einen Vater mit gehobenem Beruf, eine Schwester, die studiert. Aber eine Leuchte ist er offensichtlich nicht, denn seine geradezu besessene Fixiertheit auf körperliche Leistung zeugt von einem Defizit im kognitiven Bereich.
    (Pino DiNocchio)


    653129 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: D, E
    Länge: 89 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
    Extras: Audiokommentare


    653125 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: D, E
    Länge: 89 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
    Extras: Audiokommentare, Entfallene Szenen, Casting und Choreographie, Polylux-Reportage "Ganz normal rechtsradikal", Interviews, Fotogalerie, alternativer Trailer


    653127 DE - mit Wendecover -
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: D, E
    Länge: 89 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
    Extras: Wendecover, Audiokommentare


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