DIE FALSCHMÜNZER

  • Film DVD
  • französisch
    120 Min.
    deutsche Untertitel
    657924 DE

    Originaltitel: Les Faux-Monnayeurs
    Regie: Benoît Jacquot
    Musik: Bruno Coulais
    Darsteller: Melvil Poupaud, Patrick Mille, Jules-Angelo Bigarnet, Maxime Berger, Thomas Momplot, Vladimir Consigny, Laurence Cordier, Dolores Chaplin, Anne Duverneuil, Jean-Marc Stehlé, Pavel Stepantchuk, Jules Sadoughi, Jules Ritmanic, Sylvain Levitte, Hervé Pierre, Sandrine Dumas
    Frankreich 2010

    DIE FALSCHMÜNZER - Les Faux-Monnayeurs

    Schriftsteller Edouard kommt nach Paris, um Eindrücke für seinen nächsten Roman zu sammeln. Dabei verselbständigen sich die Ereignisse so sehr, daß das Schreiben ganz in den Hintergrund rückt. Das wahre Leben ist viel aufregender als eine erfundene Geschichte es je sein könnte.
    Anlaß für Edouards Reise in die französische Hauptstadt ist die Heirat seiner Ex-Geliebten Laura. Beim Besuch seiner Halbschwester entwickelt Edouard eine erotische Obsession für seinen Neffen Olivier. Der stille Knabe hat eine zarte Seele, die in seltsamer Entrücktheit von der Welt ganz der Poesie zugetan ist. Der nach Zuwendung dürstende Gymnasiast erwidert die Gefühle des Onkels.
    Oliviers älterer Bruder, Medizinstudent Vincent, hat eine Affäre mit der nunmehr unglücklich verheirateten Laura. Er schwängert sie, und sie verläßt ihren Gatten. Der schmierige Compte de Passavant, ein ungemein von sich eingenommener Literat, macht Vincent unter Ausnutzung von dessen Glücksspielsucht finanziell von sich abhängig. Vincent gerät ins Straucheln, er kann Laura nicht mehr unterstützen. Passavant benutzt ihn nur noch, um mit Olivier in näheren Kontakt zu kommen. Er bindet den Schüler an sich, indem er ihn zum Chefredakteur seiner Literaturzeitschrift macht.
    Oliviers bester Freund Bernard entdeckt kurz vor dem Schulabschluß seine uneheliche Herkunft und verläßt mit einer Gefühlsmischung aus Enttäuschung und Erleichterung sein Elternhaus. Durch eine Verkettung von Zufällen macht er Bekanntschaft mit der verzweifelten Laura und mit Edouard, der ihrem Hilferuf gefolgt ist. Der schlaue Junge wandelt sein Wissen um Lauras Geheimnis in eine willkommene Position. Er dient sich dem Schriftsteller Edouard als Sekretär an. Somit begleitet er ihn und Laura in einen Kurort in die Schweiz, von wo Edouard den kleinen Enkel seines alten Lehrers nach Paris holen will.
    Olivier verbringt derweil die Ferien mit Passavant am Meer. Es ist eine nicht immer angenehme Entdeckungsreise, von der Olivier aufgewühlt zurückkehrt.

    Der 1926 erschienene Roman von André Gide war seinerzeit wegen seiner homoerotischen Atmosphäre nur verhalten aufgenommen worden. Gide entwirft in dem vielschichtigen Werk eine bürgerliche Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts, in der alle Formen von Sexualität ausgelebt werden. Man spricht nicht darüber, denn es erscheint als eine Art stiller Konsens, daß geschriebene Moralgesetze mit einer heimlichen Lust gebrochen werden. Die einvernehmliche Beziehung erwachsener Männer zu heranwachsenden Jungen wird hier nicht skandalisiert. Der freimütige Umgang damit formuliert eine vorsichtige Utopie, welche sich aus der Liberalisierung in der Ära der 1920er Jahre nährt. André Gides Vision bleibt auch ein Jahrhundert später ein unerfüllter Traum. Reaktionäre Kräfte begraben jede Hoffnung auf die Entkriminalisierung der Liebe.
    Die Verfilmung spart sämtliche homosexuellen Anwandlungen aus, läßt die Begehrlichkeiten nur erahnen. Es bleibt bei zärtlichen Blicken und einsamen Monologen. Wüßte man es nicht, so käme man mitunter nur schwer auf den Gedanken. Versteckt in Poesie und Dichtung werden die heimlichen Sehnsüchte zur reinen Theorie verklärt. Unverschleiert sind nur die diversen Frauengeschichten der Männer wie auch der Buben.
    Obwohl die Jungen im Film kaum älter als 14 sind, machen sie schon ihr Abitur und stehen damit am ersten Wendepunkt im Leben. Die Heranwachsenden agieren selbstbestimmt, sie verhalten sich wie kleine Erwachsene. Der frühe Reifegrad spiegelt die hohe Bildung in der Oberschicht wider. Eine Jugend gibt es nicht.
    Der Film teilt die zahlreichen Handlungsstränge des Romans in viele kleine Episoden, die sich wie ein Geflecht der Zeit umranken. Jeder hat seine Geheimnisse. Die Figuren sind voneinander abhängig, auf die eine oder die andere Art. Die Jungen kreieren sich jeweils ihre eigenen Rollen, ihren Part in dem Spiel aus Täuschung und Vorteilnahme. Sie beobachten die Erwachsenen und beginnen deren frivoles und intrigantes Verhalten zu imitieren.
    Jungdarsteller Maxime Berger als Olivier wirkt fragil und zugleich diabolisch. Sein Hunger auf romantische Abenteuer in der flüchtigen Welt der moralisch enthemmten Pariser Literaturszene weckt in dem Jungen Erwartungen, die sich nicht erfüllen. Olivier reagiert verstört auf die Überforderung.
    Deutlich offensiver verfolgt Oliviers Kamerad Bernard, dessen Charakter mit dem schon erfahrenen Nachwuchsschauspieler Jules-Angelo Bigarnet besetzt ist, seine Interessen. Bernard wird zur treibenden Kraft, der alle Akteure irgendwie miteinander verbindet.
    In Oliviers jüngerem Bruder Georges, mit dessen engelsgleichem Bildnis vor Edouards Augen die Geschichte begonnen hatte, schließt sie auch, indem sich die Tragödie des vakanten Jugendalters auf den nächstfolgenden Jahrgang überträgt. In der von Lug und Trug geprägten Gesellschaft der "Falschmünzer" wird den Heranwachsenden mehr zugemutet als sie verkraften können. Schon in den ersten Gymnasialklassen schwelgen sie in den Versen hoher Literatur, bewegen sich in fiktiven Welten toter Sprachen wie Latein und Altgriechisch, werden von den Erwachsenen zu Rauschmitteln und Erotik verführt. André Gides Gedanke von einer libertären Gesellschaft, in der auch Heranwachsenden schon früh eine Teilhabe zugestanden wird, ist von der Sehnsucht des Bohemiens motiviert, sich immer wieder mit der kindlichen Unschuld reinzuwaschen. (Pino DiNocchio)



    657924 DE
    Tonspur: Französisch
    Untertitel: D
    Länge: 120 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85
    Extras:  
    - minus - Covermotiv mit Zensurzeichen überdruckt


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