BENNY'S VIDEO

  • Film DVD
  • deutsch
    105 Min.
    663889 DE

    Originaltitel: Benny's Video
    Regie: Michael Haneke
    Musik:  
    Darsteller: Arno Frisch, Angela Winkler, Ulrich Mühe, Ingrid Stassner
    Österreich 1991

    BENNY'S VIDEO

    Es ist eine gezielte Hinrichtung. Ein Bolzenschuß aus nächster Nähe direkt in die Stirn, und der Körper des Opfers sackt augenblicklich leblos zusammen.
    Das Video, das er auf dem Bauernhof von der Tötung eines Schweins gedreht hat, fasziniert den Teenager Benny. In seinem mit Videoausrüstung vollgestopften Zimmer im elterlichen Luxusapartment kapselt sich der Junge von der Außenwelt ab. Die Bilder aus der Flimmerkiste sind seine Realität, während er die Wirklichkeit um sich herum immer weniger wahrnimmt.
    In der Videothek begegnet Benny einem gleichaltrigen Mädchen. Er überredet die Unbekannte, mit ihr nach Hause zu gehen und sich seine Videosammlung anzusehen. Aus purer Neugier, wie das so ist, tötet Benny das Mädchen in seinem Zimmer mit dem Schußgerät, das er vom Bauernhof mitgehen ließ. Die laufende Videokamera zeichnet die sprachlos machende Tat auf...

    Schockierender als der Mord, den der Teenager ohne jede Gefühlsregung begeht, ist die Reaktion der Eltern. In seinem Inneren begreift Benny schnell, was er getan hat. Der Junge versucht, die Identität des Mörders abzustreifen und sich in eine andere Person zu flüchten, was sich darin äußert, daß er sich die Haare scheren läßt und ein aggressives Verhalten annimmt. Das alles kann aber die Bluttat nicht verdrängen. In stiller Verzweiflung läßt Benny das Video vor den Augen seiner ahnungslosen Eltern laufen.
    Vater und Mutter sitzen danach einträchtig auf der Wohnzimmercouch und unterhalten sich in eiskalter Sachlichkeit über den besten Weg, die Mädchenleiche aus dem Kinderzimmer unbemerkt zu beseitigen. Die Lösung: Die Mutter fliegt mit Benny in einen Spontanurlaub nach Ägypten, während der Vater die Wohnung von allen Spuren und Überbleibseln des Verbrechens säubert. Einige Tage später ist scheinbar alles wieder gut. Benny braucht sich keine Sorgen machen, der Vater hat alles geregelt.
    Viel zu sehr legen Kritiker und Vermarkter bei Hanekes verstörendstem Film den Focus auf die unfaßbare Mordtat des Jugendlichen. Dabei ist dies nur der erste Akt des Dramas und keineswegs der unerklärlichste. Fälschlicherweise wird "Bennys Video" auch auf diffuse Weise als provokanter Beitrag zur Debatte um Gewalt in den Medien angeführt. Haneke selbst entzieht sich wie üblich jedem Interpretationsansatz. Bennys exzessiver Konsum von Videofilmen mit mutmaßlich pervertierten Gewaltdarstellungen - explizit wird dem Zuschauer aber nicht gezeigt, was sich der Junge da reinzieht - mag als Katalysator für sein fehlgeleitetes Verhalten gewertet werden. Das Verbrechen hinter dem Verbrechen liegt in der vollkommenen Weltfremdheit der Eltern. Sie leben selbstzufrieden in ihrer sterilen, schicken Stadtwohnung, wo sich jede Annehmlichkeit mit Geld kaufen läßt, verbringen zum Ausgleich die Wochenenden auf dem Bauernhof und haben nicht die geringste Ahnung, was in ihrem Sohn vor sich geht. Zwar ist ihnen Bennys Leidenschaft für das Filmen etwas unheimlich, aber Hauptsache der Junge ist beschäftigt. Man gibt ihm genug Geld für sein Hobby, um sich von jeglicher erzieherischer Verantwortung freizukaufen. Schlußendlich muß auch die Frage gestellt werden, ob es adäquat ist, einen Heranwachsenden bei der gezielten Tötung eines Schweins zusehen zu lassen. Wenn das Leben eines Tieres mit solcher Kaltblütigkeit ausgelöscht wird, weshalb sollte dann ein Menschenleben so viel mehr wert sein? Die Brutalität liegt sehr viel tiefer in den als normal empfundenen gesellschaftlichen Verhaltensweisen, als die Öffentlichkeit das zugeben möchte. (Pino DiNocchio)


    663889 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel:  
    Länge: 105 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen
    Extras: Interview mit Michael Haneke


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