THE TRIBE - PLEMYA

  • Film DVD
  • ukrainische Gebärdensprache
    137 Min.
    ohne Untertitel
    667002 DE

    Originaltitel: Plemya
    Filmlänge: DVD 126 Min. ohne Abspann
    Regie: Myroslav Slaboshpytskiy
    Musik:  
    Darsteller: Grigoriy Fesenko, Yana Novikova, Rosa Babiy, Alexander Dsiadevich
    Ukraine 2014

    THE TRIBE - Plemya

    Im Internat für gehörlose Jugendliche ist der Empfang für Sergey frostig. Erste Schikanen weisen dem Neuen den Weg, auf dem er schnell gewahr wird, daß hier unter den Schülern eine streng festgelegte Machtstruktur herrscht. Eine Gang regiert die Anstalt. Sergeys erste schmerzhafte Aufnahmeprüfung ist eine Prügelei mit den Anführern vor versammeltem Fußvolk. Der Platz in der Hierarchie entscheidet, wer bei wem im Zimmer Quartier beziehen darf, und wer welche Jobs zu erfüllen hat. Das Repertoire der Bande umfaßt das ganze Spektrum: Raub, Erpressung, Diebstahl, Zuhälterei.
    Sergey gerät unvermittelt in den Sog der gewalttätigen Schul-Gang. Er erarbeitet sich rasch eine Position im inneren Zirkel um den Anführer. Alle sind sie harte Jungs. Wer Schwäche zeigt, ist zum Verlieren verdammt. Die Mädchen werden zur Prostitution gezwungen. Sergey wird zum Verhängnis, daß er sich in Anya verliebt. Er fängt an, die Machenschaften seiner neuen Kumpels in Frage zu stellen. Auf Illoyalität und Verrat kennt die Gruppe nur eine Antwort. Sergey wird ausgestoßen und bestraft...

    Die verfallenden Gemäuer aus Sowjetzeiten erzeugen an sich schon eine beklemmende Atmosphäre. Auch die Bandenstruktur an Schulen ist eine Folgeerscheinung des sozialen Vakuums, welches der Untergang der Sowjetunion erzeugt hat. Im russischen Hegemonialbereich hat sich die Mentalität der Selbstorganisation nach dem Rudelprinzip ausgebreitet. Schülergangs, die ihre Schulen wie Kraken im Griff haben und die Mitschüler systematisch ausplündern, werden in neueren Jugendfilmen thematisiert, in diesem ukrainischen Film "Plemya" ebenso wie in dem kasachischen Film "Uroki Darmoni". Die Großen ziehen die Kleinen ab, und unter ihnen sind jeweils die Stärksten die Anführer, die von den Unterworfenen Tribut einfordern. Keiner kann dem Zwang entkommen. Kriminalität wird regelrecht gezüchtet. Jahr für Jahr steigt eine neuer Jahrgang nach oben auf. Das Modell ist der Knasthierarchie entlehnt.
    Auch vor der Gehörlosenschule macht das System nicht Halt. Vielleicht wollen die gehörlosen Jugendlichen auch nur ganz normal sein. Selbstbewußt sind sie jedenfalls im Auftreten mit der Gebärdensprache. "Plemya" ist der weltweit erste Spielfilm, der vollständig in Gebärdensprache gedreht wurde. Auf der Tonspur gibt es nur die Geräuschkulisse. Auch auf Filmmusik wurde verzichtet. Selbst wer die ukrainische Gebärdensprache versteht, wird nicht jedem Wort folgen können, weil die Hand- und Fingerzeichen, mit denen sich die Gehörlosen artikulieren, nicht immer in direkt in die Kamera zeigen. Die Dialoge bleiben teils unverständlich, sind jedoch zum größten Teil selbsterklärend durch die Inszenierung der Handlung. Ähnlich wie beim Stummfilm müssen die Worte durch das Agieren der Schauspieler ersetzt werden. Der Zuschauer kann miterleben, wie die nonverbale Kommunikation unter Gehörlosen mit dem ganzen Körper praktiziert wird. Die Zeichen der Gebärdensprache werden durch Gesichtmimik und vollen Körpereinsatz ergänzt. Besonders eindrucksvoll ist die Kulisse, wenn eine größere Gruppe zusammensteht. Dem Geräuschpegel in einer Gruppe, wo alle durcheinander reden, entspricht hier ein pausenloses Gezappel von wild fliegenden Gliedmaßen, welches durch Gebärden und Körpermimik die ganze Gruppe in Bewegung hält.
    Nicht nur wegen der ungewohnten Kommunikationsform ist das Filmkunstwerk anstrengend. In der Überlänge von mehr als zwei Stunden wird dem Zuschauer eine Menge körperliche, seelische und strukturelle Gewalt zugemutet. Die Macht der Bilder. (Pino DiNocchio)


    667002 DE - mit Wendecover -
    Tonspur: Ukrainische Gebärdensprache
    Untertitel: keine
    Länge: 137 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:2.35
    Extras: Wendecover, Making Of, Behind The Scenes, Kurzfilme


    ©   2016 by TAMINGO Media Publishing