MONDSCHEINKINDER

  • Film DVD
  • deutsch
    97 Min.
    667689 DE

    Originaltitel: Mondscheinkinder
    Regie: Manuela Stacke
    Musik:  
    Darsteller: Leonie Krahl, Lucas Calmus, Lucas Hardt, Renate Krößner, Walter Kreye
    Deutschland 2006

    MONDSCHEINKINDER

    Nach der Schule eilt Lisa stets sofort nach Hause. Zeit für Unternehmungen mit Freundinnen hat die Teenagerin nicht. In der verdunkelten Wohnung sitzt ihr kleiner Bruder Paul den ganzen Tag und langweilt sich. Traurig beobachtet der kleine Junge durch das Fenster die anderen Kinder unten auf dem Spielplatz. Paul hat eine seltene Hautkrankheit, er darf nicht mit Sonnenlicht in Berührung kommen. Jeder Kontakt mit Sonnenlicht führt sofort zur Bildung von Hautkrebs. Lisa kümmert sich aufopferungsvoll um den kranken Bruder. In seinem kleinen Universum ist Paul ein Raumschiffkapitän von einem anderen Stern. Lisa erfindet für ihn Geschichten über Abenteuer, die er auf seinen Reisen im Weltraum erlebt.
    Paul freut sich darauf, daß er bald eingeschult wird und er dann endlich mit anderen Kindern zusammensein darf. Er soll mit einem Spezialtaxi gefahren werden; im Klassenzimmer müssen die Fenster mit Spezialfolie beklebt werden, die das UV-Licht abhält. Doch im reichen Deutschland will niemand bei den öffentlichen Einrichtungen die extra Kosten für den Schulbesuch eines kranken Kindes bezahlen. Paul kann nicht zur Schule gehen. Für den Jungen ist das eine schlimme Enttäuschung. Verständlicherweise reagiert er mit Wut und Trotz. In seinem Alter kann er nicht differenzieren zwischen den Menschen, die gut zu ihm sind, und jenen, die ihn mit Gleichgültigkeit und Herabwürdigung behandeln. So kriegt auch Lisa ungerechterweise seinen Frust mit voller Wucht ab.
    Und das ausgerechnet gerade jetzt, wo sich Lisa in den BMX-Biker Simon verliebt. Plötzlich gibt es in ihrem Leben noch etwas anderes als Paul. Simons Hobby ist die Astronomie. In der Sternwarte zeigt er Lisa die Geheimnisse des Himmels. Doch ihre Glücksgefühle bringen das Mädchen in einen Gewissenskonflikt: Wie darf sie glücklich sein, wenn es ihrem Bruder so schlecht geht? Simon muß viel Geduld und Verständnis aufbringen, um sich von Lisas zickigem Verhalten nicht vergraulen zu lassen. Paul leistet seinen ganzen Beitrag um zu verhindern, daß seine Schwester wegen ihres Freundes keine Zeit mehr für ihn hat. Lisa muß einen Weg finden, wie sie die Liebe zu Simon und die Liebe zu ihrem Bruder vereinen kann.
    Als Paul mit einem Tumor ins Krankenhaus kommt, erkennt Lisa den Ernst der Lage. Sie weiß, daß Paul sie verlassen wird. Gemeinsam mit Simon bereitet sie Pauls Reise zu seinem Heimatstern vor...

    Beim traurigen Ende des Films läuft einem ein Schauer über den Rücken. Behutsam und wunderbar poetisch behandelt Regisseurin Manuela Stacke den Tod eines Kindes. Lisa und Paul begeben sich in eine Fantasiewelt, in der sie beide sich von der Angst vor dem Sterben befreien können. Der kleine Paul weiß, daß er sterben wird. Seine Schwester versucht ihn dabei zu begleiten, indem sie ihm die Identität eines mutigen Raumfahrers verleiht, welcher durch eine Panne auf der Erde gestrandet ist und nun nach der Reparatur mit seiner Rakete startet, um zu seinem Stern zurückzukehren. So kreiert sie für den kleinen Jungen einen ganz eigenen Glaubenskosmos, der ihn beschützt und ihm ein friedvolles Weggehen aus dieser Welt ermöglicht. In Pauls Vorstellung wird das Spiel von der Reise zu den Sternen zu einer greifbaren Realität.
    Pauls Erlebnisse als Raumfahrer sind im Film durch Zeichentricksequenzen dargestellt. In diesen Geschichten hat er auch immer einen Beschützer, der ihm in gefahrvollen Situationen hilft. Die Geschwister tauchen zusammen in ihre Traumwelt. Nur so können sie die belastende Situation ertragen, daß Paul wegen seiner Krankheit an so vielen Dingen im Leben nicht teilnehmen kann und schließlich in der bitteren Konsequenz aus diesem Leben ganz in eine andere Galaxie entschwindet.
    Die jungen Darsteller wurden in Schulen und Jugendclubs ausgesucht. Die Jugendlichen bekamen beim Dreh oft keine festen Vorgaben für den Wortlaut der Dialoge, sie konnten improvisieren und frei reden. Das positive Ergebnis ist, daß die Unterhaltungen deutlich natürlicher wirken als wenn sie gekünstelte Formulierungen eines Drehbuchautors aufsagen würden.
    Der Film ist speziell dafür gedacht, Kindern das Thema Tod auf einfühlsame Weise nahezubringen. Statt mit religiösem Unfug verunsichert zu werden, dürfen Kinder hier ihre individuelle Fantasie grenzenlos driften lassen. Der Gedanke, als Sternenfänger ins All zu fliegen und von dort der geliebten Familie eine Sternschnuppe als Gruß auf die Erde zu senden, ist für ein sterbendes Kind sinnlich erfahrbarer und tröstlicher als der abstruse Glaube an Himmel und Hölle. Mit diesem atheistischen Ansatz folgt "Mondscheinkinder" der visionären Idee, die schon Astrid Lindgren in ihrer außergewöhnlichen und in religiösen Kreisen umstrittenen Erzählung "Die Brüder Löwenherz" verfolgte. (Pino DiNocchio)


    667689 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 97 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen
    Extras: Interview, Animations-Storyboard


    ©   2007 by TAMINGO Media Publishing