MICHAEL (2011)

  • Film DVD
  • deutsch
    92 Min.
    679021 DE

    Originaltitel: Michael
    Filmlänge: 89 Min. ohne Abspann
    Regie: Markus Schleinzer
    Musik:  
    Darsteller: Michael Fuith, David Rauchenberger, Christine Kain
    Österreich 2011

    MICHAEL (2011)

    Hinter dem unscheinbaren Kellerabgang in einem ganz gewöhnlichen Einfamilienhaus liegt zwischen Werkzeug und Getränkekisten eine verriegelte Tür wie in einem Hochsicherheitstrakt. Dort im ausgebauten Untergeschoß hält der 35jährige alleinstehende Versicherungsangestellte Michael monatelang einen kleinen Jungen gefangen. Wenn alle Rolläden heruntergelassen sind, darf der 10jährige Wolfgang zum Abendessen nach oben in die Wohnung kommen und manchmal auch zum Fernsehen bleiben. Dann sieht es aus wie Vater und Sohn in einer ganz normalen Familie, auch wenn kein Wort geredet wird.
    Im Kalender macht Michael täglich Eintragungen, wenn er den Jungen mißbraucht hat! Wolfgang hat sich in sein Schicksal gefügt. Er weiß, daß er keine Chance hat, seinem Peiniger zu entkommen. Selbst wenn Michael ihn im Auto zu einem Ausflug ins Grüne mitnimmt, bleibt der Junge folgsam an seiner Seite. Erschreckend leicht ist es für einen Erwachsenen, Macht über ein Kind zu haben. Erst als Michael auf der Straße vor ein Auto läuft und nach einer Nacht im Krankenhaus mit einem Gipsbein nach Hause kommt, beginnt sein kleiner Gefangener zu ahnen, daß es Schwachstellen in der Übermacht des Kerkermeisters gibt. Wolfgang wartet geduldig auf den richtigen Moment...

    Die psychopathische Neigung des österreichischen Films schlägt wieder zu! Haneke-Schüler Markus Schleinzer läßt den Zuschauer in seinem Debütfilm in den menschlichen Abgrund blicken, welcher in der ganz gewöhnlichen Nachbarschaft lauert. Ohne Musikuntermalung wandert die Kamera mit einem emotionslosen Täter, der sein triebgesteuertes Tun präzise organisiert. Sein durchdachtes und konsequent ausgestaltetes Vorgehen läßt den Mann als einen Menschen erscheinen, der seinen intimen Lebenswandel mit eiskalter Intelligenz plant und kontrolliert. Außer daß ihm klar ist, daß er sein Treiben streng vor äußeren Blicken abschotten muß, fehlt seinem Bewußtsein jegliche moralische Instanz. Er hält sich das Kind, das er gezielt an einem Ort, wo Kinder anzutreffen sind, aufgegriffen und zu sich gelockt hatte, im schallisolierten Kellerzimmer wie ein Haustier, als eine Sache, an der er sich sexuell befriedigt, wann immer es ihn überkommt. Um seine Perversion zu verdrängen, spielt er sich eine Vaterrolle vor.
    In Michael wächst die Anspannung. Die Angst einen Fehler zu begehen, durch den sein grauenhaftes Doppelleben auffliegen könnte, macht ihn nervös. So kommt es am Ende ganz anders als Michael es geplant hatte.
    Regisseur Schleinzer fertigt keine Analyse, er dringt nicht in die Psyche des Täters vor. Vielmehr beobachtet er dessen Handlungsweise nur kommentarlos und läßt den Zuschauer in Eigenregie die Absichten des Kinderquälers erahnen. Viel sieht man nicht. Der Zuschauer muß also in seinem eigenen Kopf aktiv das denken, was dieses kranke Hirn namens Michael tut und plant. Durch diesen experimentellen Einsatz des Mediums Film ist das Entsetzen viel schlimmer als wenn man das Verbrechen im fertig inszenierten Bild sieht. Am Ende ist es auch ein Film, den man sich kaum mehrfach anschauen wird. Dafür ist das Thema zu häßlich. (Pino DiNocchio)



    679021 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 92 Min.
    Bild: 4:3 Letterbox 1:1.66
    Extras: Interview mit dem Regisseur und dem Hauprdarsteller
    - minus - Aufbewahrungsbox: Mediabook mit großflächigem BRD-Zensuraufdruck auf der Vorderseite


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