BRECHA

  • Film DVD
  • spanisch
    94 Min.
    deutsche Untertitel
    679504 DE

    Originaltitel: Brecha
    Regie: Iván Noel
    Musik: Iván Noel
    Darsteller: Francisco Alfonsín, José Ramón Lafita Narbona, Lola Mendoza, Manuel Pazos, Carmen Caro Quiñones, Maica Sánchez, Benito Cordero
    Spanien 2009

    BRECHA

    Vier Jahre hat Andrés seit dem tragischen Tod seiner Frau Marisa im Gefängnis gesessen. Sein Sohn José Ramón, der während der Zeit von der Großmutter Abuela aufgezogen wurde, ist jetzt 12 Jahre alt. Voller Erwartung und zugleich mit großer Unsicherheit begegnet der Junge seinem Vater. Auch Andrés ist unsicher. Vater und Sohn sind sich fremd geworden. Nun sollen sie zusammen wieder die alte Wohnung beziehen. Abuela hat alles arrangiert.
    Vor Andrés steht ein stilles, in sich gekehrtes Kind, dessen einziges emotionales Bezugswesen der ihm zugelaufene schwarze Kater Satan ist. José Ramón möchte seinem Vater unbedingt etwas Wichtiges sagen, doch der hört nicht zu. Andrés hat kein Ohr für den Jungen, denn er ist mit der ganzen Situation völlig überfordert. Er muß sich selbst in das Leben wieder eingewöhnen. Er muß allein einen Haushalt führen, das Kind versorgen. Er muß schnell eine Arbeit finden in einem Dorf, wo er als entlassener Strafgefangener nach dem, was damals passiert war, kaum noch akzeptiert wird. Und er muß noch immer den Verlust seiner Frau verarbeiten. Am Tod seiner Mutter ist auch der kleine Junge zerbrochen. Abuela macht mit ihrer ständigen Einmischung nichts besser.
    José Ramón trägt eine furchtbare Last mit sich herum, die er nicht loswerden kann. Gegenüber dem Vater ist das Kind paralysiert, es fehlen die Worte, um das Ungeheuerliche auszusprechen. Immer wieder versucht der Junge die Distanz zu seinem Vater zu überwinden, sich ihm auf verschiedenen Wegen zu nähern: spielerisch, durch Symbole, durch Gesten, durch Provokation.
    Andrés versteht die Signale nicht, vielmehr irritiert ihn das Benehmen seines Sohnes zunehmend. José Ramóns Obsession, ständig beim Zubereiten des Essens zu helfen, kommt ihm unheimlich vor. Wieso ist ein 12jähriger so versessen auf das Kochen? Andrés begreift lange nicht, daß sich darin das Trauma offenbart, welches sie beide verbindet: die quälenden Schuldgefühle um Marisas Tod. Ein dunkles Geheimnis liegt über dem, was vier Jahre zuvor geschehen war...

    Iván Noels visionäres Filmschaffen öffnet der Kinokunst neue Sphären. Sein empathisches Verständnis für die Sensibilität von heranwachsenden Jungen verleiht ihm beim Filmen die einzigartige Gabe, deren fragile Seelenzustände in ihrer malerischen Körperhaltung abzubilden.
    Nicht ein Drehbuch legt fest, wie der Junge vor der Kamera positioniert wird, sondern der Akteur selbst gestaltet durch seine unmittelbare Präsenz das Motiv. Noel zelebriert die pure Schönheit der Jungen, indem er sie in ihrer ganzen Natürlichkeit zeigt. Aufnahmen von tief berührender Transparenz kehren die Welt der Gefühle aus dem Inneren heraus, um sie auf der nackten Haut sichtbar zu machen.
    Die Handlung entwickelt sich teilweise in einer eigenen Dynamik, weil oft Szenen durch Improvisation aus einer Situation heraus entstehen.
    Nach seinem sensationellen Regiedebut "En tu ausencia" hat Noel für den Nachfolger "Brecha" in José Ramón Lafita wieder einen ausdrucksstarken kleinen Darsteller gefunden, der sich mit kindlicher Intuition in die hochemotionale Rolle versetzt.
    Ohne Budget drehte der nach Spanien eingewanderte Independent-Filmer in einer andalusischen Kleinstadt das spannungsgeladene Vater-Sohn Drama, das weniger von lauten Konflikten getragen wird als vielmehr von beklemmender Wortlosigkeit und stiller Verzweiflung, die sich am finalen Höhepunkt mit einem erlösenden Akt Bahn bricht.
    Francisco Alfonsín begleitet zum zweiten Mal für Noel die erwachsene Hauptrolle. Genau wie die fantastischen, unter Jugendlichen vor Ort ausgesuchten Kinder bringt auch Francisco eine packende Intensität in sein Spiel, weil er gerade nicht seine Szenen routinemäßig einstudiert und abspult, wie das bei vielbeschäftigten Profis der Fall ist.
    Als surreales Element sind in den Film Traumbilder von verschiedenen bizarren Räumen eingebaut, in denen José Ramón erwacht, wenn ihn in der Nacht die Angst heimsucht. Indessen hat Vater Andrés, während er mit seinem eigenen Schmerz hadert, keine Ahnung, welche Qual sein Sohn durchleidet. Alles hat seine Wurzel in den Umständen, unter denen die Mutter gestorben war. Flankiert wird das Thema von viel Symbolik, wie etwa das komische Mädchen, das tote Käfer sammelt, oder das Vertrocknen eines ehemals idyllischen Badesees.
    Ähnlich wie "En tu ausencia" behandelt auch "Brecha" einen tödlichen Unfall, dessen Hintergrund ein Kind als belastendes Geheimnis mit sich trägt. (Pino DiNocchio)



    679504 DE - mit Wendecover -
    Tonspur: Spanisch
    Untertitel: D
    Länge: 94 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
    Extras: Wendecover, Audiokommentar des Regisseurs, Making-Of, umfangreiche Bildergalerie


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