KLEINE MORDE

  • Film DVD
  • deutsch
    91 Min.
    679679 DE
  • Film BLU-RAY
  • deutsch
    94 Min.
    779679 DEnicht mehr im Handel

    Originaltitel: Kleine Morde
    Regie: BD 88 Min. ohne Abspann
    Regie: Adnan G. Köse
    Musik: Philipp F. Kölmel
    Darsteller: Paul Falk, Ann-Kathrin Kramer, Uwe Ochsenknecht, Jimi Blue Ochsenknecht, August Carter, Maurizio Magno, Günther Kaufmann, Jasmin Schwiers, Udo Schenk, Olaf Krätke, Ugur Temel, Moritz Klaus
    Deutschland 2012

    KLEINE MORDE

    In naher Zukunft hat die moralisch-soziale Verwahrlosung im Neokapitalismus die Kinderkriminalität rasant anwachsen lassen. In Deutschland demonstriert die populistische Regierung ihre Hilflosigkeit gegenüber dem Werteverfall mit einer radikalen Gesetzesänderung: der Abschaffung der Altersgrenze für Strafmündigkeit. Jetzt können Kinder wie Erwachsene für Straftaten angeklagt und verurteilt werden. Die Presse lechzt schon nach dem ersten Fall.
    Ausgerechnet der brave Sohn des angesehenen Richters Brinkhoff gerät in den Verdacht, etwas mit dem Mord an einem kleinen Jungen zu tun zu haben. Martin Brinkhoff, gerade 13 geworden, und sein Freund Bodo waren zuletzt von einer Überwachungskamera zusammen mit dem 7jährigen Tobias gesehen worden. Am Tatort, wo Tobias brutal getötet wurde, findet die Spurensicherung auch noch Martins Fotoapparat.
    Richtersohn Martin kennt sich in Rechtsprechung und Prozeßordnung bestens aus. Er weiß, wie es um ihn steht. Martin erpreßt seinen älteren Freund, den tablettensüchtigen Taxifahrer Viktor, ihm ein Alibi zu geben. Staranwältin Julia Corner soll Martins Verteidigung übernehmen. Dazu muß sie zunächst einen Belastungszeugen ausschalten. Julia ist von der Unschuld ihres jungen Mandanten überzeugt, doch der macht es ihr in seiner kühl berechnenden Art nicht leicht, die Wahrheit aus ihm herauszubekommen...

    Die Story ist diffus, die Wahrheit bleibt bis zum Ende unklar, denn verschiedene Versionen des Tathergangs stehen in gleichwertiger Glaubhaftigkeit nebeneinander. Alle Versionen stammen von Martin. Der hochintelligente Junge, der gern mit lateinischen Zitaten um sich wirft, versteht es perfekt, die Menschen in seinem Umfeld zu manipulieren. Zwischen seinen perfiden Fantasien und seinen wirklichen Taten verwischt der Film die Abgrenzung. Das sorgt für überraschende Wendungen und auch für leichte Schauer angesichts der kaltblütigen Abgeklärtheit des Jungen, bringt aber den Kriminalfall nicht auf den Punkt. Vor allem die kontroverse sozialpolitische Vision, Kinder vor Gericht zu stellen, bleibt im Film undiskutiert.
    Das ganze Gewicht des Films liegt im Versuch, die abgründige Seele des 13jährigen Martin darzustellen. Das behütete Kind aus gutbürgerlichen Verhältnissen führt ein Doppelleben, von dem der Vater nur an der Oberfläche etwas ahnt. Suspekt kommt es dem gutbetuchten Richter vor, daß sein Teenie Sohn mit einem zehn Jahre älteren Kerl befreundet ist, der seinen Unterhalt als Taxifahrer zusammenkratzt. Kein standesgemäßer Umgang ist das in Brinkhoffs Augen. Mit wem sich sein Sprößling sonst noch herumtreibt, kann er sich gar nicht vorstellen. Richter Brinkhoff steht für die Ignoranz gegenüber einer Realität, die nicht in sein heiles Weltbild paßt. Unbemerkt hat sich in dieser düsteren Fiktion eine ganze Gesellschaft in ihren eigenen Schatten verwandelt. Bandenbildung und Gewaltkriminalität sind in naher Zukunft keineswegs auf die Unterschicht beschränkt. Der humane Werteverfall und der Verlust der Empathie charakterisieren in der Breite die nachwachsende Generation im medial beherrschten Zeitalter des globalen Konzernfeudalismus. Regisseur und Autor Adnan G. Köse ist in seiner Projektion beunruhigender gesellschaftlicher Entwicklungen freilich weit entfernt von einer soziologisch fundierten Analyse.
    Der unscheinbare Martin ist nicht nur Musterschüler in klassischer Musik und juristischer Fachliteratur. Hinter der Maske beherrscht der Junge auch die kämpferische Körpersprache der Schlägerbanden in den Stadtvierteln des Präkariats. Seine Wandlungsfähigkeit gestattet es ihm, sich mühelos in so verschiedenen Szenerien zu bewegen, im Elternhaus den strebsamen bürgerlichen Sohn zu geben, auf der Straße sich treffsicher zu prügeln und in der Schule als pubertierender Bengel seine Lehrerin anzuhimmeln. Trotz überragender Intelligenz ist das ein bißchen viel auf einmal für einen Heranwachsenden. Seine Stärke liegt darin, daß er seine Unsicherheit kompensiert, indem er sie kontrolliert ins Gegenteil verdreht. Martin bewegt sich fühlbar auf dünnem Eis. Für ihn ist das alles ein Spiel, und der Preis für den Kick dabei ist das Risiko, daß es schiefgehen kann.
    Der junge Hauptdarsteller Paul Falk hat die Aufgabe, durch seine konzentrierte Präsenz die zahllosen Schwächen im Skript zu überbrücken. Das macht er verdammt gut. Paul gibt den vielen Fassaden des Martin Brinkhoff jeweils eine Identität, vor deren Scheinheiligkeit es den Zuschauer sanft gruselt. Aus seinem unschuldigen Gesicht eines ganz normalen Jungen am natürlichen Übergang vom Kind zum Jugendlichen läßt Paul die zwielichtigen Augen eines kleinen Psychopathen blitzen. Aus seinen verführerischen Lippen spricht mit stets gedämpfter, kindliche Fragilität und leise Angst suggerierender Stimme ein kleiner Teufel seine falschen Worte, die man trotz innerer Warnung doch nur gerne glauben möchte.
    Popsänger, Synchronsprecher und Schauspieler Paul Falk, bei den Dreharbeiten zu seiner ersten Kinorolle 14 Jahre alt, ist der klare Gewinner aus der storytechnisch verhaspelten Krimiproduktion "Kleine Morde". Kaum wiederzuerkennen ist der groß gewordene ehemalige Teen-Star Jimi Blue Ochsenknecht mit keckem Bartflaum. In der Figur von Taxifahrer Viktor beweist Jimi, wie er als Schauspieler nahtlos in erwachsene Rollen hineinwächst. (Pino DiNocchio)



    679679 DE - mit Wendecover -
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 91 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85
    Extras: Wendecover


    779679 DE - mit Wendecover -
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 94 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85
    Extras: Wendecover


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