HOPPET

  • Film DVD
  • deutsch
    88 Min.
    680293 DE

    Originaltitel: Hoppet
    Regie: Petter Naess
    Musik:  
    Darsteller: Ali Abdulsalam, Ronas Gemici, Richard Jarl, Peter Stormare, Mariwan Tofik, Talar Hussein, Baran Hiwa Kader, Mehmet Aras, Arman Amin, Per Fritzell, Marie Göranzon, Ahmed Dadim, Paiv Darbandi, Dier Rasul
    Schweden / Norwegen 2007

    HOPPET - Der große Sprung ins Glück

    Die Brüder Azad und Tigris sind unzertrennlich. Im Fernsehen bewundern sie bei der Übertragung internationaler Sportwettkämpfe die schwedische Hochspringerin Kajsa Bergqvist. Die Kinder träumen davon, eines Tages als Sportler so erfolgreich und berühmt zu sein wie ihr Idol. Eifrig üben sie mit improvisiertem Gerät auf der Wiese das Hochspringen.
    Bei einem Bombenangriff tieffliegender Kampflugzeuge auf ihr Dorf verstecken sich die Jungen in einer Kiste. Seit diesem traumatischen Erlebnis spricht Tigris nicht mehr. Die Familie sieht in ihrem von Krieg und diktatorischer Repression gebeutelten Heimatland im Mittleren Osten keine Lebensperspektive mehr. Der Vater ist Schriftsteller, aber seine Bücher darf er nicht veröffentlichen. Die einzige Zukunft liegt für die Familie in der Hoffnung, das Land verlassen zu können. Der Bruder des Vaters lebt bereits in Deutschland.
    An Azads 12. Geburtstag wird die Feier von Milizen inspiziert, die unerlaubte Aktivitäten vermuten und Drohungen aussprechen. Kurz darauf heißt es für Azad und Tigris Abschied zu nehmen. Da sie fürs Erste nur zwei Pässe beschaffen können, vertrauen die Eltern ihre beiden Söhne dem Nachbarn Raman an, der mit seiner ganzen Familie nach Schweden ausreist. Raman verspricht, für die Weiterreise der Jungs zum Onkel nach Frankfurt zu sorgen.
    Nach der Landung in Stockholm stellt sich jedoch heraus, daß die Flugtickets nach Frankfurt nicht da sind. Notgedrungen muß Raman die zwei Jungen als seine eigenen Kinder ausgeben. Bei der vielköpfigen Familie fällt das nicht weiter auf. Aber Raman und seine gehässige Frau Naza behandeln die Brüder wie Stiefkinder. Sie bekommen keine neuen Kleider und nichts zu essen. Sie sind in einer fremden Familie gefangen. Azad muß mit der Lüge leben, er kann sich nicht mit der Wahrheit an die Sozialarbeiterin wenden, denn eine Aufdeckung des Schwindels würde auch Ramans nette Tochter Soma in Schwierigkeiten bringen, in die der Junge verliebt ist.
    Azad geht nun in Schweden in die Schule, wo er versucht, sich so rasch wie möglich einzugewöhnen. Fleißig lernt er Schwedisch. Nach einigen Reibereien findet er bei den Hochspringern im Schulsportverein auch gleichaltrige Freunde.
    Dann wird Ramans Asylantrag abgelehnt, allen droht die Ausweisung. Als Azad erfährt, daß die bösartige Naza seinen stummen Bruder Tigris durch einen vorgetäuschten Suizidversuch in die Psychiatrie befördern will, um so die Abschiebung der Familie zu verhindern, tauchen die Brüder unter. Azad sieht nur eine Chance nach Deutschland zu kommen: Wenn er in das Hochspringer-Team der Schule aufgenommen wird und mit zu den Jugendmeisterschaften nach Berlin fahren darf...

    Es sind ungewöhnliche Umstände, unter denen ein Junge große Willenskraft auf allen Feldern zeigen muß. Ohne Paß allein in einem fremden Land, wo er eigentlich gar nicht sein dürfte, steht der 12jährige vielen Herausforderungen gegenüber. Azad muß sich um den älteren Bruder Tigris kümmern, der zwar nicht dumm ist, aber durch seine Stummheit in gewisser Weise behindert und auf Hilfe angewiesen ist. Der Kontakt zu den Eltern ist abgebrochen, die zwei Jungen sind den Launen von Raman und seiner Familie ausgeliefert.
    Es wirft ein trauriges, gleichwohl mehr als authentisches Licht auf die europäische Asylpolitik, daß Kinder nicht als souveräne Personen anerkannt werden, sondern als unmündiges Gepäck ihrer Eltern behandelt werden. Das ist in Schweden nicht anders als in Deutschland. Könnte sich Azad den Behörden anvertrauen und seine Situation darlegen, ohne befürchten zu müssen, daß man ihn und seinen Bruder wie Kriminelle aus dem Land wirft, dann wäre alles viel einfacher.
    Die Familie von Raman führt anschaulich vor, wie das Asylrecht mißbraucht wird, denn sie lassen sich nur von bezahlten Schleppern nach Schweden einschleusen, weil sie dort als Ausländer auf der faulen Haut liegen können und Unterkunft und Unterhalt großzügig vom Staat bezahlt bekommen - und über so viel Dummheit der Schweden der machen sie sich auch noch lustig, bis ihr Betreiben durchschaut wird und ihnen das Lachen vergeht.
    Die Asylbehörden haben zu unterscheiden zwischen wirklich politisch Verfolgten, deren Leben in ihren Herkunftsländern in Gefahr ist, und gemeinen Wirtschaftsimmigranten, die nur ein bequemeres Leben in den reichen Ländern Europas suchen. Das ist eine mühsame und ärgerliche Aufgabe, die nicht immer konsequent genug und zum Nachteil der Betroffenen nicht immer mit dem richtigen Ergebnis ausgeführt wird. Diese Schwierigkeit rechtfertigt aber auf keinen Fall den Zwang, daß alleinreisende Minderjährige wie in dieser Geschichte Azad und Tigris sich als illegale Eindringlinge verstecken und sich durch Paßkontrollen innerhalb der EU schmuggeln müssen. Hier bleibt das angemessene Mittel nur, wie im Film gezeigt, die Zivilcourage einzelner Bürger, die sich damit letztlich selbst zu Straftätern machen, indem sie bedrängten Kindern helfen - Kinder, die nichts Böses getan haben, die nur als "ungesetzlich" verfolgt werden, weil sie ohne Papiere und ohne Eltern gestrandet sind.
    Diese sozialpolitische Problematik mag den jüngsten Zuschauern nicht bewußt werden, weil der Fokus des Films auf dem Abenteuer des Jungen Azad liegt, der durch seine Charakterstärke am Ende siegt und ein märchenhaftes Happy End erlebt. Lustig ist das aber gar nicht! Mehr Mut dazu, auch den Kindern deutlicher darzulegen, weshalb sich Azad in so einer schwierigen Lage befindet, zu erklären, welche Mechanismen des Staatssystems in Schweden, Deutschland und Europa generell dafür verantwortlich sind, daß sich ein 12jähriger Junge verstecken oder mit allen Tricks an Kontrollen vorbeischmuggeln muß, hätte dem pädagogischen Wert nicht geschadet. Diese Aufgabe bleibt der Nachbereitung durch erwachsene Begleitpersonen überlassen, die nach dem Anschauen die mit dem Film aufgeworfenen und unbeantworteten Fragen mit den Kindern erörtern sollten.
    Azads im wahrsten Sinne des Wortes mächtiger Sprung führt im Film in einem magischen Moment seine Familie wieder glücklich zusammen, aber das ist ein Märchen. Das grundlegende Problem ist damit nicht wirklich gelöst.
    Die geopolitische Herkunft von Azad und seiner Familie bleibt im Film verschleiert. Nur im Begleitmaterial, das für den Einsatz des Films im Schulunterricht angeboten wird, kommt zur Sprache, daß es sich um Kurden in der Region zwischen Irak und Türkei handelt. Die Bombardierung des Dorfs wird ins Jahr 2000 datiert, es können also nur Kampfflugzeuge der Türkei sein, die seit vielen Jahren einen Krieg gegen die kurdische Zivilbevölkerung führt. (Pino DiNocchio)



    680293 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 88 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85
    Extras: Unterrichtsmaterial als PDF
    - minus - es fehlt der schwedische Originalton


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