PARANOID PARK

  • Film DVD
  • deutsch + englisch
    85 Min.
    680609 DE

    Originaltitel: Paranoid Park
    Regie: Gus van Sant
    Musik:  
    Darsteller: Gabe Nevins, Jake Miller, Taylor Momsen, Lauren McKinney, Daniel Liu, Scott Green Jr., Dillon Hines, Winfield Jackson
    USA 2007

    PARANOID PARK

    Paranoid Park ist die illegal errichtete Skateranlage an der East Side von Portland, wo sich die besten Skateboarder aus dem sozial unteren Milieu der Stadt treffen.
    Die beiden 16jährigen Schüler Alex und Jared sind fasziniert von den coolen Skatern, die in einer für sie unerreichbaren Liga fahren. Mit ihrem eigenen bescheidenen Können auf dem rollenden Brett trauen sich die Freunde nicht unter die älteren Profis. Voller Bewunderung beobachten die Jungs aus der Ferne das artistische Treiben ihrer Vorbilder. Zudem reizt die Teenager aus den behüteten Elternhäusern des gutsituierten Mittelstands natürlich das anrüchige Flair, das dem wilden Skater Park anhaftet. Nebenbei ist das Surfen auf den an der nahen Bahnlinie vorbeifahrenden Güterzügen bei den Jugendlichen aus dem Paranoid Park ein beliebter Adrenalinkick.
    Alex zieht es immer häufiger in die Nahe des Skater Parks, wofür seine Freundin Jennifer kein Verständnis hat. An einem Abend begibt sich Alex allein zum Paranoid Park. Eine flüchtige Bekanntschaft, eine spontane Spaßaktion, ein tödlicher Unfall!
    Geschockt verfolgt Alex die Nachrichten über den grausigen Tod eines Wachmanns der Eisenbahn, der den Spuren zufolge von einem Unbekannten vor einen Zug gestoßen wurde. Die Polizei beginnt in der Schule gezielt mit der Befragung aller Jungen, die als Skateboardfahrer bekannt sind und mehr oder weniger im Paranoid Park verkehren. Man sucht Zeugen - vielleicht auch Täter...

    Gus van Sant filmt direkt im Geschehen, häufig aus dem Blickwinkel seiner Figuren heraus. Er setzt verschiedene Stilelemente ein, die mit bestimmten Aufnahmeperspektiven und optischen Effekten den Zuschauer in eine berauschende Atmosphäre hineinziehen. Oft wird die Kamera ganz nah auf die Darsteller gerichtet, wodurch die Stimmung und die emotionale Spannung in den Personen eingefangen und plastisch sichtbar wird.
    Im Mittelpunkt steht Teenager Alex, den van Sant altersgerecht mit einem Jungen besetzt hat, der auch wirklich so jung ist wie der Charakter seiner Rolle. Der 16jährige Darsteller Gabe Nevins in Gestalt des Alex verkörpert absolut authentisch einen 16jährigen, wie es nur selten in US-amerikanischen Filmen gezeigt wird. Ein Junge exakt an der Schnittstelle zwischen dem Ende der Pubertät und dem Beginn des Erwachsenwerdens. Wie stark diese Lebensphase von Extremen geprägt ist, sieht man an dem Bild, wo Alex und Jared jeweils mit ihren blutjungen, noch kindlichen Gesichtern am Steuer eines Wagens sitzen. In der nächtlichen Autofahrt kann man richtig spüren, wie sich die Euphorie, allein in die große Asphaltwelt der Erwachsenen eintauchen zu dürfen, mischt mit der fiebrigen Unsicherheit eines Fahranfängers. Dialoge treten dabei in den Hintergrund. Bildmotive und Schnittfolge erzeugen schon allein diese packende Wirkung.
    Laiendarsteller Gabe Nevins wird von der Kamera ruhig und konzentriert beobachtet. Der Blick in sein versunkenes Gesicht verrät, wie viele Gedanken dem Heranwachsenden durch den Kopf schießen. Alex hat neben seiner Identitätsfindung auch noch das Auseinanderfallen seiner Familie zu verarbeiten. Die Eltern haben sich getrennt, er und sein jüngerer Brüder Henry drohen von den Erwachsenen wie Möbelstücke hin und hergeschoben zu werden.
    Ab dem Moment des Unfalls ist das Gesicht von Alex wie versteinert. Seine weit aufgerissenen Augen starren ohne Bewegung in eine Welt, von der er sich nun endgültig entkoppelt vorkommt. Zu seinen vielen Fragen kommt jetzt auch noch das Trauma, durch eine Dummheit für den Tod eines Menschen verantwortlich zu sein. Dies scheint seinem dauernden Grübeln eine Art Overkill zu verpassen. Der Junge wandelt wie ein Gespenst umher, verliert den Überblick, verstrickt sich bei allen Aussagen zur fraglichen Nacht in Widersprüche. Er quält sich mit der Frage, ob und wem er sich mit der Wahrheit anvertrauen kann.
    Gus van Sant zerlegt die ganze Geschichte in Zeitscheiben, die er in der Montage durcheinanderwürfelt. Die Tage nach dem Unglück, in denen die Polizei ermittelt und Alex für Detective Richard Lu jene Nacht rekapitulieren und in neue Versionen gießen muß, sind durchsetzt mit Sequenzen von dem, was wirklich passiert ist. Das Durchbrechen der linearen Erzählform kreiert aus dem Geschehen ein kriminalistische Puzzle, bei dem aber nicht wie im üblichen Krimi der Ermittler die Teile zusammensucht, sondern der zum Opfer gewordene Täter zwischen Wahrheit, Wunsch, Lüge und Illusion nach einem Ausweg tastet.
    "Paranoid Park" kann in seiner filmisch innovativen Art zu den eindrücklichsten zeitgenössischen Jugenddramen gezählt werden. Gus van Sant ist weit entfernt von der im Independent Film so beliebten amateurhaften Anti-Ästhetik von Wackelkamera und billigem Homevideogeflimmer. Er liefert einen sauber gemachten Film, der dennoch in rauhen Bildern radikal an der Lebenswirklichkeit des Milieus ist, welches er ohne intellektuellen Ballast zeigt. (Pino DiNocchio)


    680609 DE
    Tonspur: Deutsch / Englisch
    Untertitel: D
    Länge: 85 Min.
    Bild: 4:3 Vollbild 1:1.33
    Extras: Making of, Interview


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