SWEET MUD - IM HIMMEL GEFANGEN

  • Film DVD
  • deutsch + hebräisch
    98 Min.
    681199 DEnicht mehr im Handel

    Originaltitel: Adama Meshuga‘at
    Filmlänge: 90 Min. ohne Abspann
    Regie: Dror Shaul
    Musik:  
    Darsteller: Tomer Steinhof, Ronit Yudkevitz, Henri Garcin, Shai Avivi, Gal Zaid, Sharon Zuckerman, Pini Tavger, Daniel Kitsis, Joseph Korman, Idit Tzur, Rivka Neuman, Hila Ofer, Omer Berger, Ami Weil, Natan Sgan-Cohen
    Frankreich / Japan 2006

    SWEET MUD - IM HIMMEL GEFANGEN - Adama Meshuga‘at

    Im jüdischen Teil von Palästina gibt es in ländlichen Gebieten selbstverwaltete Siedlungen, in denen aus aller Welt eingewanderte Juden in sektenartigen Gemeinschaften leben. Kibbuz nennen die Israeliten diese überwiegend landwirtschaftlich produzierenden Kommunen. Die Mitglieder sind entsprechend ihren Kräften zum Arbeitseinsatz verpflichtet. Ihren gesamten Besitz müssen sie teilen. Eigentum und Privatsphäre existieren kaum. Kinder werden von ihren Eltern getrennt, damit die Erwachsenen maximale Arbeitsleistung erbringen und keine Zeit mit der Familie vergeuden. Die Kinder sind in separaten Kinderhäusern untergebracht, wo sie im Sinne der Gemeinschaft erzogen und unterrichtet werden. Es herrschen rigide Erziehungsmethoden. Wer etwas Unerwünschtes ausspricht, bekommt mit Gewalt ein Stück Seife in den Mund gestopft, um diesen von den "falschen" Worten auszuwaschen. Beschlüsse über Belange der Kommune werden in der Mitgliederversammlung getroffen, ebenso wie Verurteilung und Bestrafung bei Verstößen gegen die Regeln.

    In so einem Kibbuz leben Leute wie der Sodomist Avram, der sich jeden Morgen im Stall von seiner Lieblingskuh oral befriedigen läßt. Hier wohnt auch der 12jährige Dvir mit seinem älteren Bruder Eyal und der psychisch kranken Mutter Miri. Dvir hat es schwer, seit sein Vater gestorben ist. Die junge Witwe Miri hat während einer Kur am Meer einen Mann kennengelernt, der sie jetzt im Kibbuz besuchen möchte. Stephan ist ein wohlhabender Restaurantbesitzer aus der Schweiz. Seine Ankunft ist für Dvir ein Schock. Er ist ein alter Mann. Dvir ist entsetzt.
    Stephan will Miri heiraten und in den Kibbuz ziehen. Nach anfänglichem Mißtrauen kommt Dvir ganz gut mit dem netten Opa aus. Aber Stephan reist vorzeitig wieder ab, weil er als aufgeklärter Europäer mit dem selbstherrlichen Benehmen einiger Leute, besonders mit der Gewalt gegen Kinder nicht klarkommt. Als dann auch noch Dvirs Hund im Kibbuz ermordet wird, wühlt das alles Miri so auf, daß sie wieder in die Klinik muß. Eyal tritt in die militärischen Kampfverbände der Israeliten ein. Dvir bleibt allein mit seinen Sorgen.
    Als der Junge sich in ein Mädchen verliebt, beginnt er sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Seine Hoffnung ist es, daß Stephan ihn und Miri zu sich in die Schweiz holt. Für Dvir wird immer klarer, daß er sich und seine Mutter aus der repressiven Situation im Kibbuz herausholen muß, wenn sie nicht beide zugrunde gehen wollen wie zuvor schon der Vater. Es ist für Dvir das Jahr, in dem die Heranwachsenden in seinem Alter mit dem jüdischen Ritual Bar-Mizwa in die erwachsene Gemeinde initiiert werden. Es ist das Jahr, in dem Dvir sich von der Kindheit verabschiedet. Es ist das Jahr, in dem der Junge den Ausbruch wagt...

    Dvir steht in "Sweet Mud" vor einer schweren Aufgabe. Der Junge, für den bis zum 12. Lebensjahr alles mehr nur ein Spiel war, spürt sich plötzlich selbst als eigenständig denkendes und fühlendes Individuum. Seine Sorge gilt der geliebten Mutter, die durch ihre psychische Labilität zum ständigen Risiko für sich selbst und für die Gemeinschaft wird. Dvir tut alles, um die Mutter vor den Anfeindungen der Mitbewohner zu beschützen. Das erfordert konsequentes Handeln. Am Ende trifft Dvir eine starke Entscheidung, denn er muß wählen zwischen zwei Menschen, die er liebt.
    Filmemacher Dror Shaul gibt erschreckende Einblicke in die Verhältnisse hinter den Mauern eines Kibbuz in den 1970er Jahren. Die Bewohner sind nicht eingesperrt, doch wo sollen sie auch hingehen, wenn sie ihre gesamte Existenz dem Kollektiv übertragen haben? Oder wenn sie wie Dvir sogar in so eine Einrichtung hineingeboren wurden?
    Mit der romantischen Vorstellung von einer biblischen Urgesellschaft oder mit der Idee des Sozialismus hat dieses gleichmacherische, entpersonifizierte System von Gruppenzwang, Leistungsdruck und Schikane nichts zu tun. Mehr hat die als Ideal zelebrierte Separierung der Kinder in einem von den Eltern getrennten Wohnbereich den Charakter einer Aufzucht, wie sie nur bei archaischen Eingeborenenvölkern vorkommt. So wird eine hermetisch geschlossene Gemeinschaft erzeugt, aus der nur schwer zu entkommen ist.
    Die allmähliche Erkenntnis des religiös-ideologisch geprägten Irrwegs entzog der Kibbuz-Bewegung zum Ende des 20. Jahrhunderts viel Zuspruch. Bei der jüngeren Generation wurde durch den Drang nach Freiheit und Individualität und das Einfordern ihrer Menschenwürde das rigorose System in Frage gestellt. Vielleicht waren es Kinder wie Dvir, die mit ihrem couragierten Aufbegehren für eine Neuausrichtung der Strukturen innerhalb dieser Kollektive sorgten. Die Realität in den als Kibbuz organisierten Dörfern dürfte heute weniger drastisch sein als es die historische Darstellung für die 1970er Jahre zeigt. (Pino DiNocchio)



    681199 DE
    Tonspur: Deutsch / Hebräisch
    Untertitel: E
    Länge: 98 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
    Extras:  


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