NEANDERTAL

  • Film DVD
  • deutsch
    107 Min.
    681439 DE

    Originaltitel: Neandertal
    Regie: Ingo Haeb, Jan-Christoph Glaser
    Musik:  
    Darsteller: Jacob Matschenz, Andreas Schmidt, Johanna Gastdorf, Falk Rockstroh, Tim Egloff
    Deutschland 2006

    NEANDERTAL

    Seit früher Kindheit leidet Guido an Neurodermitis. Eine Vielzahl von Faktoren löst immer wieder krankhafte Veränderungen der Haut durch Entzündungen aus. Ständiger Juckreiz führt zum Kratzen bis aufs Blut. Manchmal möchte sich Guido am liebsten die ganze schmerzende Haut abziehen. Oft hat er das Gefühl, überhaupt keine Haut zu besitzen. Das größte Sinnesorgan funktioniert nicht richtig; an intime Berührungen und Sex ist für den 17jährigen kaum zu denken, weil sich ein Partner vor den Ausschlägen ekeln würde. Das denkt der Teenager jedenfalls, und als sich ein Mädchen aus der Schule so für ihn interessiert, daß sie mit ihm zusammensein will, glaubt er ihr nicht. Was den Körper stramm zusammenhält, scheint nicht vorhanden zu sein; Guido fühlt sich wie Fleisch, das vom Knochen ab- und auseinanderfällt. Die Wahrnehmung seines Körperzustands überträgt sich auf den Seelenzustand, und dieser spiegelt die Konstellation seines familiären Umfelds wider.
    Guidos Familie ist ein Abbild des Zerfalls und der Haltlosigkeit, wie er es in sich selbst durch das Fehlen der schützenden Haut verspürt. Die Ehe der Eltern ist nur noch eine Lüge. Der große Bruder ist bereits ausgezogen, weil er die Streitereien über die differierenden Ansichten satt hat.
    Nach einem besonders schweren Krankheitsschub, der ihn sogar ins Krankenhaus bringt, beschließt der Teenager, in seinem Leben aufzuräumen. Wütend über die Scheinheiligkeit seiner Eltern, flüchtet Guido sich in die Wohngemeinschaft seines Bruders. Dort lernt er den Kleinganoven Rudi kennen. Rudis radikale Verweigerungshaltung gegenüber der Gesellschaftsordnung beeindruckt den Abiturienten. Das beste Vorbild ist der schräge Vogel nicht gerade, aber er inspiriert Guido dazu, sich innerlich aufzurichten. Der Junge entwickelt jetzt den Willen, seine verhaßte Hautkrankheit förmlich abzustreifen, um endlich ein Leben wie jeder normale Jugendliche zu beginnen. Tatsächlich geht die Hautentzündung durch Guidos gewandelte Einstellung zurück und verschwindet fast ganz...

    Regisseur Ingo Haeb arbeitet seine eigenen Erfahrungen als Neurodermitiker auf. Es ist der erste Spielfilm, in dem diese bei Kindern immer mehr um sich greifende Zivilisationskrankheit thematisiert wird. Wie Charlize Theron in "Monster" mußte hier Jacob Matschenz sich von der Maske ein entstelltes Gesicht verpassen lassen.
    So wie der Jugendliche sich von dem zerrissenen Beziehungsumfeld befreit, gelingt ihm die Häutung von der teilweise psychosomatischen Neurodermitis. Das ist wie eine Neugeburt. Aus dem gequälten Schüler mit dem quabbeligen Monsterlook wird ein gutaussehender Jüngling mit reiner Haut. In diesem geschmeidigen Körper wächst sein Selbstbewußtsein. Der Ausbruch aus der kranken Familie wirkt heilsam auf Körper und Seele. Ganz ausmerzen läßt sich Neurodermitis nicht, aber der Betroffene kann die Symptome eindämmen. (Pino DiNocchio)


    681439 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 107 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85
    Extras: Audiokommentar, Interview mit einer Expertin über Neurodermitis, deleted Scenes, hinter den Kulissen


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