DAS WEISSE BAND

  • Film DVD
  • deutsch
    138 Min. / Special Edition
    684569 DEnicht mehr im Handel
  • Film DVD
  • deutsch
    138 Min.
    684563 DE
  • Film DVD
  • deutsch
    138 Min.
    684567 UK
  • Film BLU-RAY
  • deutsch + englisch
    144 Min.
    784561 DE
  • Film BLU-RAY
  • deutsch + englisch
    144 Min.
    784567 UK

    Originaltitel: Das weisse Band
    Regie: Michael Haneke
    Musik:  
    Darsteller: Christian Friedel, Leonie Benesch, Ulrich Tukur, Burghart Klaußner, Josef Bierbichler, Susanne Lothar, Rainer Bock, Roxane Duran, Milijan Chatelain, Leonard Proxauf, Levin Henning, Thibault Serie, Enno Trebs, Theo Trebs, Fion Mutert, Janina Fautz, Maria-Victoria Dragus, Eddy Grahl, Ursina Lardi, Sebastian Huelk
    Deutschland 2009

    DAS WEISSE BAND

    Im Sommer 1913 beginnt auf dem Landgut einer Baronsfamilie im Nordosten des Deutschen Kaiserreichs eine Kette von rätselhaften Verbrechen. Der Doktor stürzt mit seinem Pferd an einem mysteriösen Seil, das Unbekannte zwischen den Bäumen vor seinem Haus gespannt hatten. Er liegt wochenlang im Krankenhaus. Die Hebamme, die dem verwitweten Arzt den Haushalt führt und ihm auch sexuelle Dienste leistet, versorgt während der Zeit dessen Kinder.
    Die Frau eines Bauern verunglückt tödlich im baufälligen Sägewerk, wohin sie vom Gutsverwalter zur Arbeit geschickt worden war. Die Familie gibt dem Verwalter die Schuld.
    Sigi, der kleine Sohn des Barons, wird kopfüber aufgehängt und blutig geprügelt aufgefunden. Die Baronin verläßt mit ihren Kindern entrüstet den Ort, um in Italien zu überwintern. Nach ihrer Rückkehr im Frühjahr kommt es zu einem erneuten Übergriff auf Sigi.
    Viel schlimmer noch wird eines Nachts der geistig behinderte Junge der Hebamme zugerichtet. Man findet Karli in den Feldern mit schweren Verletzungen im Gesicht. Die Hebamme behauptet, die Täter zu kennen. Sie fährt in die Stadt, um die Verbrecher anzuzeigen. Der Schullehrer hat seine eigenen Vermutungen. Er findet es mehr als verdächtig, daß bei allen Unfällen und Gewalttaten der letzten Monate die ganze Gruppe der Dorfkinder in der Nähe war...

    Der unheimlich wirkende Kriminalfilm seziert die Anatomie eines spätfeudalen protestantisch-christlichen Bauerndorfs. Weltlich untersteht das Dorf der ökonomischen Herrschaft des Barons, dem das Land und die Güter gehören, und der für die meisten Bewohner der alleinige Arbeitgeber ist. Geistlich unterstehen alle den biblisch abgeleiteten Moralgesetzen des Pastors.
    In der Familie des strengen Pastors werden die Kinder mit Prügel gezüchtigt. Die autoritäre, auf Angst und Einschüchterung abzielende Erziehung soll die Kinder gefügig machen. Perverser Höhepunkt: Seinen pubertierenden Sohn Martin verängstigt der Pastor mit grauenhaften Horrorgeschichten über die angeblich tödlichen Folgen der sexuellen Selbstbefriedigung. Dem Jungen werden nachts die Hände ans Bett gebunden, damit er nicht onanieren kann. Auch seine Tochter Klara demütigt der Vater durch die Dämonisierung ihres weiblichen Erwachsenwerdens und straft sie mit Liebesentzug.
    Die Kinder setzen das am eigenen Leib erfahrene Prinzip göttlich legitimierter Bestrafung von Verfehlungen auf ihre eigene Weise um. Es mangelt nicht nur den Pastorenkindern an Gerechtigkeitswerten für ein aufgeklärtes, humanes Menschenbild. Auch die Söhne des Verwalters kennen nur die grobschlächtige Befehls- und Gehorsamsmentalität, mit der in der Hierarchie von oben nach unten weitergetreten wird. Mit zunehmender Selbständigkeit beginnen die Jugendlichen die eingravierten Verhaltensmuster in ihrem eigenen autonomen Lebensumfeld anzuwenden und sich dabei der Kontrolle durch die Erwachsenen zu entziehen.
    Der Erzähler ist der Dorflehrer, der die beunruhigenden Vorfälle chronologisch schildert und aufgrund seiner Beobachtungen am Ende seine Schüler mit der Verbrechensserie in Zusammenhang bringt, ohne jedoch auch nur im Ansatz solche Analysen anzustellen, wie es der Zuschauer des Films tut. Michael Haneke zeigt Mechanismen der Gewalt, ohne sie zu benennen. Es bedarf einigen Basiswissens, um aus den aufgezeigten gesellschaftlichen Verhältnissen abzuleiten, daß sie die Wurzel für den Gang der späteren deutschen Historie sind. Haneke entzieht sich wie immer jeder eigenen Stellungnahme. Man muß aber schon sehr blind sein, um in dem entmenschlichten, widernatürlichen Charakter der hier praktizierten und in jener Zeitepoche allgemein verbreiteten kirchlichen Moralerziehung nicht den Keim für den im 20. Jahrhundert entfesselten Amoklauf einer ganzen Nation zu erkennen. Die von der Kirche bewerkstelligte Pervertierung des christlichen Glaubens zum Terror konnte für die unter diesem Regime heranwachsende Generation nicht folgenlos bleiben. Bei den Protestanten geschieht die gottgefällige Selbstausbeutung und Selbstkasteiung nicht so in der Öffentlichkeit, und sie ist nicht so auf zeremonielle Ausübung fokussiert wie bei der Römischen Kirche. Vielmehr dringt dieser moralische Terror tief in den Lebensalltag der Menschen ein. Die Kinder adaptieren nur, was die Erwachsenen ihnen vorleben. Wird die Dissoziation des sozial-ethischen Bewußtseins bei Jugendlichen in der heutigen Zeit dem Einfluß des selektiven Gebrauchs von Medien und Spielen zugewiesen, so war vor 100 Jahren die autoritäre Erziehung die Ursache.
    Hanekes Filme sind im allgemeinen verstörend wegen des hohen Maßes an animalischer Gewalt. In "Das weisse Band" liefert der Regisseur eine überraschende Variante, indem er seine Verstörungstaktik umdreht. Was hier verstörend wirkt, ist so eine Szene wie die, wo der kleinste Pastorensohn einen verletzten Vogel findet und mit seiner ganzen Herzensgüte dem strengen Vater mit der mutigen Bitte gegenübertritt, das Tierlein gesundpflegen zu dürfen. Diese engelhafte Erscheinung einer reinen Seele paßt so gar nicht in die Landschaft von Gewalt, Mißtrauen, Rache und Boshaftigkeit.
    Der Film ist in schwarz-weiß gedreht, was nicht nur eine höhere, nostalgisch besetzte Authentizität vermitteln soll, sondern zugleich auch das Mittel zur Hand gibt, die Atmosphäre noch finsterer erscheinen zu lassen. Jedes Kapitel und jede Szene ist ein präzise ausgestanztes Puzzleteil im Gesamtbild einer von Fäulnis befallenen Dorfgemeinschaft. Bevor es zur wirklichen Aufklärung der Verbrechensfälle kommt, wird alles der Einfachheit halber jenen Personen zugeschoben, die fluchtartig das Dorf verlassen, um ihren anrüchigen Lebenswandel nicht der öffentlichen Denunziation preiszugeben. Dann bricht der Krieg aus, und in seinem unvergleichlich dunkleren Schatten stellt im Dorf niemand je wieder Fragen über die mysteriösen Ereignisse des Jahres 1913/14. Alles löst sich auf in den Umwälzungen der Geschichte. (Pino DiNocchio)


    684569 DE - mit Wendecover -
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: D
    Länge: 138 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85 - s/w
    Extras: Wendecover; Bonus Disc: Making-Of; Filmfestspiele Cannes; Porträt über Michael Haneke


    684563 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: D
    Länge: 138 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85 - s/w
    Extras:  


    684567 UK
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: E
    Länge: 138 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85 - s/w
    Extras: Interview with Michael Haneke


    784561 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: D
    Länge: 144 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85 - s/w
    Extras:  


    784567 UK
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: E
    Länge: 144 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85 - s/w
    Extras: Interview with Michael Haneke, Making of, Portait of Michael Haneke, Cannes Film Festival


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