MIN DIT - DIE KINDER VON DIYARBAKIR

  • Film DVD
  • deutsch + kurdisch
    102 Min.
    686799 DEnicht mehr im Handel

    Originaltitel: Min Dit
    Regie: Miraz Bezar
    Musik:  
    Darsteller: Senay Orak, Muhammed Al, Suzan Ilir, Mehmet Inci, Berivan Ayaz, Recep Özer, Çekdar Korkusuz, Hakan Karsak, Berîvan Eminoglu, Fahriye Çelik, Alisan Önlü
    Deutschland / Türkei 2009

    MIN DIT - DIE KINDER VON DIYARBAKIR

    Auf der Rückfahrt von einer Feier gerät die kurdische Familie eines regimekritischen Journalisten auf nächtlicher Landstraße vor Diyarbakir in einen Hinterhalt. Zwei zivil gekleidete Männer mit einem Streifenwagen täuschen eine Verkehrskontrolle vor. Sie gehören zu den Killerkommandos der paramilitärischen Geheimpolizei des türkischen Staats. Vor den Augen der Kinder erschießen sie deren Vater und Mutter.
    Die 10jährige Gülistan und ihr jüngerer Bruder Firat sind nun zuhause allein mit ihrer kleinen Schwester Dilovan, die noch ein Baby ist. Anfangs kümmert sich noch die junge Tante Yekbun um die Kinder. Sie will mit ihnen nach Europa flüchten und organisiert Flugtickets, doch sie verschwindet vor Antritt der Reise. Auch die Nachbarsfamilie, die den Kindern bei der Bewältigung des Alltags hilft, verläßt die Stadt.
    Gülistan und Firat beginnen, den Hausrat zu verkaufen, aber das Geld reicht nur wenige Tage. Wasser und Strom werden ihnen abgestellt. Das Baby wird krank, und die Geschwister können das Medikament nicht bezahlen. Sie müssen ihr Schwesterchen auf einem Acker beerdigen. Schließlich müssen sie die Wohnung verlassen.
    In den Straßen von Diyarbakir lernen Gülistan und Firat bald andere Kinder kennen, die sich ebenfalls in einem täglichen Überlebenskampf durchschlagen. Zelal und ihr Bruder Mikail tingeln mit ihrem blinden Großvater als Straßenverkäufer durch die Stadt. Gülistan und Firat helfen den neuen Freunden beim Verkauf. Sie lernen schnell. Jede Gelegenheit, ein bißchen Geld für die nächste Mahlzeit zu verdienen, wird genutzt. Durch das Verteilen von Flyern für eine junge Prostituierte freundet sich Gülistan mit Dilan an. Dilan nimmt das Mädchen als Begleitung mit in die Hotels, wo sie ihre Freier trifft. So fällt es weniger auf, mit welcher Absicht Dilan dort verkehrt. In einem von Dilans Freiern erkennt Gülistan den Mörder ihrer Eltern. Zusammen mit den befreundeten Straßenkindern planen Gülistan und Firat jetzt Rache...

    In den 1990er Jahren führte die türkische Armee Krieg gegen die Zivilbevölkerung im kurdischen Landesteil der Türkei. Systematisch wurden mehr als 3000 kurdische Dörfer zerstört, um ganze Landstriche zu entvölkern. Die Menschen trieb das in die Städte. Was die Bomben des Militäreinsatzes nicht trafen, das übernahm die Geheimpolizei. Unter dem Vorwand der Bekämpfung kurdischer Terroristen wurden regierungskritische Bürger, die für die Rechte der Kurden eintraten, verfolgt, verhaftet, gefoltert oder gleich liquidiert.
    Der von Deutschland aus mit staatlichen Fördergeldern produzierte Kinofilm legt den Finger in die Wunde, die das türkische Unrechtsregime in die jüngste Geschichte des vom Westen freundschaftlich als Demokratie hofierten NATO-Staats gerissen hat. Er thematisiert nicht direkt den politisch-militärischen Konflikt um den türkischen Teil Kurdistans, sondern er erzählt auf bedrückende Weise vom Kollateralschaden des türkischen Terrors gegen die kurdische Bevölkerung.
    Das Todeskommando hinterläßt bei der Ermordung ihrer Eltern drei Kinder ihrem Schicksal. Kein Einzelfall. In Diyarbakir treffen die Geschwister auf Waisenkinder, deren Eltern ebenfalls in diesem unerklärten Krieg verschwunden sind. Die Kinderdarsteller, alle ohne vorherige Schauspielerfahrung, spielen erschreckend gut. Ständig liegt eine Angststarre auf ihren Gesichtern. Mädchen und Junge blicken entsetzt in die Fratze der Prostitution. Die Gefahr begleitet sie mit jedem Schritt. Mit quälender Unsicherheit und Mißtrauen begegnen sie der unbekannten Welt in den geschäftigen Straßen der Stadt, nachdem sie durch die brutale Gewalttat der Polizei jäh aus ihrem glücklichen Familienleben herausgeschleudert wurden. Ein ebensolches behütetes Familienleben, wie es der Mörder Nuri Kaya pflegt, der unauffällige brave Beamte, der für seine Frau und seinen kleinen Sohn der liebende Ehemann und Vater ist. Firat und Gülistan sinnen auf Rache. Sie denken gut nach und kommen auf eine kluge Idee. Die Kinder entscheiden sich für einen Weg ihrer eigenen Mittel, welcher die Gewaltspirale verläßt und trotzdem wirkungsvoll ist.
    Die Türkei hat noch einen langen Weg vor sich, bis sie sich zu einem echten freiheitlichen Rechtsstaat transformiert haben wird, in dem alle Bevölkerungsgruppen gleichberechtigt werden leben können. Besonders schwer ist dieser Prozeß, weil ethnische Motive der Grund für die massiven, zeitweilig bürgerkriegsartigen Menschenrechtsverstöße sind. Die faschistoide Nationalgesinnung, mit der die Türken die kulturelle und sprachliche Identität anderer Völker, insbesondere der Kurden, innerhalb ihres Staatsgebiets unterdrücken und seit Jahrzehnten eine Zwangstürkisierung der Menschen vorantreiben, ist der Hemmschuh für den Frieden. Kaum vorstellbar, aber wahr: Erst vor wenigen Jahren hoben die Türken das Verbot auf, die kurdische Sprache zu gebrauchen! Erste zaghafte Schritte zur Anerkennung der kurdischen Identität wurden gemacht. Die Filmfiguren Gülistan und Firat stehen symbolisch für eine heranwachsende Generation, in deren Händen es liegt, den Völkerkonflikt in der Türkei zu überwinden, indem das Land in eine multiethnische Gemeinschaft gewandelt wird, so wie zahlreiche andere Staaten damit erfolgreich bestehen. (Pino DiNocchio)


    686799 DE - mit Wendecover -
    Tonspur: Deutsch / Kurdisch
    Untertitel: D, TUR
    Länge: 102 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:2.35
    Extras: Wendecover, geschnittene Szenen mit Audiokommentar des Regisseurs


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