DIE WÄCHTER (TV 1985)

  • Film DVD
  • deutsch
    300 Min.
    687071 DEnicht mehr im Handel
  • Film DVD
  • deutsch
    300 Min.
    687079 DE

    Originaltitel: Die Wächter
    Regie: Frank-Peter Wirth
    Musik:  
    Darsteller: Martin Tempest, Paul Hawkins, Udo Thomer, Wega Jahnke, Thomas Georgi, Robert Atzorn, Renate Schroeter, Sophie Lawrence, Karl-Heinz Vosgerau, Godfrey Quigley, Martin Dempsey, Peter Fowler, Agnes Bernelle
    Deutschland (West) 1985

    DIE WÄCHTER (TV 1985)

    Im Jahr 084 nach dem Großen Kongreß lebt die arbeitende Millionenbevölkerung in der abgeriegelten Stadt Konurba in einem totalen Polizeistaat. Videokameras überwachen jeden Straßenwinkel. Menschenansammlungen sind verboten. Jeder Aufruhr wird sofort niedergeknüppelt. Alles ist reglementiert. Alles ist künstlich.
    Nur noch wenige alte Menschen besuchen die Bücherei. Sie verfällt langsam, so wie alles in der Stadt. Robin Randall ist der einzige Jugendliche, der Bücher liest. Der Schulunterricht wird über Videotext an Fernsehbildschirmen geführt.
    Robins Vater erleidet einen mysteriösen Arbeitsunfall und stirbt. Jetzt hat der 15jährige keine Familie mehr, denn seine Mutter war ein Jahr zuvor an Krebs verstorben. Fürs erste findet der Junge Aufnahme bei den Nachbarn, die die besten Freunde des Vaters waren. Beim Ausräumen seiner Wohnung findet Robin Hinweise, daß seine Mutter von außerhalb der Stadt stammte, obwohl die Grenze als unüberwindlich gilt. Auf der anderen Seite liegt der District, das Gebiet, wo der Landadel lebt.
    Die Erziehungsbehörde verfügt Robins Einweisung in ein Internat. Dort herrscht strenge Disziplin und eine Hierarchie unter den Schülern. Die Schikanen der Älteren und die schlechten Verhältnisse in der Massenunterkunft machen das Leben für Robin unerträglich. Vor allem kann er nicht akzeptieren, daß er nie seine Meinung sagen darf, nie selbständig denken darf. Sein einziger Freund im Internat ist Kamerad Jimmy, der ebenfalls eigene Gedanken hat.
    Robin flüchtet aus dem Internat. Es gelingt ihm, den Grenzzaun zu erreichen und ihn zu überklettern. Die Grenze zum District ist gar nicht so scharf gesichert, wie die Propaganda die Leute in Konurba glauben läßt. Am nächsten Morgen erwacht Robin in einem Land, das von Pflanzen bewachsen, von Bächen mit klarem Wasser durchzogen und von wilden Tieren bevölkert ist. Dort wird er von einem gleichaltrigen berittenen Jungen aus dem Landadel gefunden. Mike versteckt den Flüchtling und versorgt ihn mit Essen und frischen Sachen. Für den gelangweilten Adelssohn ist das ein willkommenes Abenteuer. Als Mikes Mutter das Geheimnis ihres Sprößlings entdeckt, beschließt sie, den fremden Jungen als Spielkameraden für Mike in die Familie aufzunehmen. Rob soll als angeblicher Verwandter in die Gesellschaft eingeführt werden.
    Der Landadel lebt in pompösem Stil wie im 19. Jahrhundert in Gutshäusern mit Pferden und Kutschen. Autos sind ebenso abgeschafft wie Schußwaffen. Immerhin gibt es elektrischen Strom für die eine oder andere Bequemlichkeit wie Staubsauger, Kühlschrank und auch Telefon. Sonst aber pflegt man ein traditionelles Leben in Kostümen und mit strengen Höflichkeitsregeln. Der Mischmasch von alt und neu ist für Rob verwirrend. Mühsam erlernt er die Umgangsformen dieser Gesellschaft, um alsbald in das renommierte College aufgenommen zu werden, das auch Mike besucht.
    Rob merkt bald, daß in der Gesellschaft des District ähnliche Strukturen herrschen wie in Konurba: Man tut, was alle tun. Man vermeidet aufzufallen. Es ist alles so, weil es schon immer so war, und es wird immer so bleiben. Nichts wird hinterfragt. Wer selbst denkt und eigene Ansichten hat, macht sich sofort verdächtig und unbeliebt. Der Unterschied liegt nur darin, daß die Menschen in Konurba in einer schmutzigen, lauten Stadt wohnen und arbeiten müssen, während der Landadel sich auf Kosten der in der Stadt Arbeitenden ein luxuriöses Nichtstun im Grünen erlaubt.
    Am College pflegen die Schüler bei ihren Partys hitzige Diskussionen über politische Themen zu führen. Was Rob bei seiner Flucht aus Konurba gesucht hatte, war die Freiheit zu denken und zu sagen, was man will. Was er im District fand, war eine Gesellschaft, die so strikt auf Etikette und Regeln fixiert ist, daß es auch hier keine Freiheit gibt. Aus dieser Unfreiheit, vor allem aus der ungerechten Verteilung von Arbeit und Reichtum zwischen Konurba und dem District, will eine geheime Gruppe junger Leute, zu denen auch Mike gehört, ausbrechen. Sie planen einen Umsturz! Robin muß erkennen, daß er sich schon zu sehr im District angepaßt hat. Jetzt will sein Freund Mike sich auflehnen gegen die eigene Gesellschaft, gegen die eigene Familie. Rob will sein neues, angenehmes Leben nicht aufgeben, und er will auch seinen besten Freund nicht verraten.
    Mit der Zuspitzung des Konflikts gerät Rob in eine immer verzwickter werdende Lage. Schließlich wird der Teenager mit der schockierenden Wahrheit über die herrschenden Machtverhältnisse und den Zusammenhang von District und Konurba konfrontiert...

    Die Wächter sind das Rückenmark des perfiden Systems, welches Konurba und District zusammenhält. Der TV-Mehrteiler nach dem Roman "The Guardians" beschreibt eine Gesellschaftsutopie, in welcher der Große Kongreß England in zwei voneinander abgeschottete Lebenswelten geteilt hat. In beiden Welten ist seitdem die Zeit stehengeblieben.
    Konurba ist keine futuristische Stadt, sondern sie entspricht in ihrem Erscheinungsbild und im Stand der Technologie dem Jahr 1984, also der Gegenwart, in der die Serie vom westdeutschen Fernsehen gedreht und gezeigt wurde. Die Technik zur Gedankenmanipulation ist das einzige Science Fiction Element. Seit 84 Jahren hat sich nichts mehr verändert, gab es keinen Fortschritt mehr.
    Die Aristokraten haben die nichtadligen Massen samt der lärmenden, stinkenden Industrie in die Megacity Konurba verbannt, damit sie sich auf dem grünen Land im District ein nostalgisches Leben wie in alten Zeiten erhalten können. Gäbe es den Rest der Welt nicht, dann wäre eine solchermaßen totalitäre Trennung des Arbeitervolks von der herrschenden Aristokratie wirklich eine denkbare alternative Geschichtsschreibung. Die Idee ist gar nicht so abwegig, daß eine erzkonservative Strömung unter dem englischen Adel eine Restauration ihres traditionellen Lebensstils auf vorindustriellem Stand anstrebte. Recht neckisch wirkt die aus dem Jahr 1984 konservierte Haarmode. Mike mit seiner blondierten New Wave Tolle sieht im Reiteranzug auf dem Pferd hübsch bizarr aus.
    Zwischen den beiden Jungen vollzieht sich während des Abenteuers ein Rollentausch. Robin findet heraus, daß sein Vater umgebracht wurde, weil er am Widerstand gegen das System beteiligt war. Er verläßt Konurba, um der Unfreiheit zu entfliehen. Mike lernt erst durch die Begegnung mit Robin, wie ungerecht das System ist. Während Robin an seinem neuen privilegierten Adelsleben Gefallen findet, obwohl auch im District keine echte Denkfreiheit herrscht, schließt sich Mike den jugendlichen Revolutionären an und lehnt sich gegen seine eigene Klasse auf.
    "Die Wächter" ist mit der Thematisierung einer Diktatur zum Zweck der Aufrechterhaltung von Klassenunterschieden eine der gesellschaftskritischsten Jugendserien, die sich das Fernsehen Westdeutschlands in der politisch bewegten Ära der 1970-80er Jahre traute. Heute hält das Spaßfernsehen von der Wiederholung solcher Sendedokumente Abstand, nicht weil man die politisierende Wirkung auf Jugendliche fürchtet, sondern weil zum Nachdenken anregende Sendeinhalte am Zuschauerinteresse vorbeizielen. Nun, erfreulich ist es auf jeden Fall, daß diese fast schon subversive Serie nun auf DVD für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
    Offen bleibt das Rätsel, weshalb die deutsche Produktion einen großen Teil der Rollen einschließlich der beiden jungen Hauptdarsteller mit englischen Schauspielern besetzte, deren englische Originalstimmen aber mit einer deutschen Synchronisation überspielte. Wenigstens auf der DVD hätte man die englische Tonspur mitliefern können. Oder existiert die gar nicht? Hat man die Originalstimmen von Martin Tempest und Paul Hawkins in den Müll geworfen?
    (Pino DiNocchio)


    687071 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 300 Min.
    Bild: 4:3 Vollbild 1:1.33
    Extras:  
    - minus - Aufbewahrungsbox: Digipack mit großflächigem BRD-Zensuraufdruck auf der Vorderseite


    687079 DE - mit Wendecover -
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 300 Min.
    Bild: 4:3 Vollbild 1:1.33
    Extras: Wendecover


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