EIN SOMMER AUF DER SEINE

  • Film DVD
  • deutsch + französisch
    101 Min.
    688379 DEnicht mehr im Handel

    Originaltitel: La blonde aux seins nus
    Filmlänge: 98 Min. ohne Abspann
    Regie: Manuel Pradal
    Musik:  
    Darsteller: Nicolas Duvauchelle, Steve Le Roi, Vahina Giocante, Jacques Spiesser
    Frankreich 2010

    EIN SOMMER AUF DER SEINE - La blonde aux seins nus

    Julien und Louis sind als Binnenschiffer auf der Seine aufgewachsen. Der Lastkahn, mit dem sie Kies transportieren, ist ihr Zuhause. Jetzt fahren Julien und sein 12jähriger Bruder Louis das Schiff alleine, während der Vater im Krankenhaus im Sterben liegt. Die Jungs weinen ihm nicht nach, denn er hatte sie immer nur verprügelt. Wütend sind sie außerdem auf den Alten, weil er sich immer noch stur weigert, seinen Söhnen den Kahn zu überschreiben. Solange Julien sich nicht als Eigentümer des Schiffs ausweisen kann, bekommt er keine Frachtaufträge.
    In der Not kommt Julien auf eine verrückte Idee: Louis soll sich als braver, unauffälliger Schüler verkleidet ins Pariser Musée d'Orsay begeben und das Edouard Manet Gemälde "Blonde Frau mit entblößten Brüsten" stehlen! Der Coup gelingt, aber die schöne blonde Museumswärterin Rosalie bemerkt den dreisten Diebstahl und verfolgt den Jungen bis auf den Kahn. Louis reagiert fix und sperrt die Dame auf dem Boot ein.
    Jetzt haben die Brüder gleich zwei "Blonde" am Hals. Es stellt sich heraus, daß das gestohlene Gemälde wegen seiner Berühmtheit praktisch unverkäuflich ist. Und Rosalie können sie auch nicht wieder loswerden, weil sie plaudern würde. Julien beschließt, die Schöne einfach zu kidnappen. Rosalie findet das gar nicht übel. Das freie, ungezwungene Leben der Brüder auf dem Fluß hat seinen Reiz, es ist für die Tochter eines Kunsthändlers eine perfekte Chance, aus den Verpflichtungen in ihrer großbürgerlichen Familie auszubrechen. Sie genießt die wilden Tage mit Julien und Louis, während sie mit dem Schiff flußabwärts fahren und einen Käufer für das Bild suchen...

    Zwischen dem pubertierenden Louis und seinem gut doppelt so alten Bruder entsteht eine Rivalität um Rosalie, die weitaus ernster ist, als es der jungen Frau bewußt wird. Zuerst ist Louis aufgebracht, weil Julien sie die Kleider der seit zehn Jahren toten Mutter anziehen läßt. Dann verliebt sich der Teenager in Rosalie. So wie sein großer Bruder als sein Beschützer ihm immer auch ein liebevoller Ersatz für den prügelnden Vater war, erkennt der Junge in Rosalie eine Art große Schwester und zugleich auch die Mutter, die er nie hatte. Seine erwachende Sexualität mischt sich mit dem Urbedürfnis nach mütterlicher Wärme zu einem explosiven Gefühlscocktail. Julien nimmt die zunehmende Obsession seines kleinen Bruders nicht ernst. Als er am Ufer anlegt und über Land nach Paris zurückfährt, um den Verkauf des Kunstgemäldes an die Hehlerbande abzuschließen, steuert Louis den Kahn mit Rosalie allein über den Fluß. Verfolgt werden sie nicht nur von der Polizei, sondern auch von den Hehlern, die sich von Julien betrogen vorkommen.

    Alle drei Akteure befinden sich auf einer Suche nach dem Leben. Die unerschrockene Rosalie sucht das Abenteuer und findet es, doch verliert sie bald die Lust daran. Julien entdeckt die Liebe, doch er ist noch nicht bereit für eine feste Bindung; zu viele Dinge hat er gleichzeitig um die Ohren.
    Die heftigsten Erfahrungen macht der heranwachsende Louis durch. Der 12jährige ist schon ein ausgefuchstes Bürschchen, vom täglichen Überlebenskampf mit allen Wassern gewaschen. Dem lebhaften Jungen, der sich, wo immer er ist, am wohlsten fühlt, wenn er mit nacktem Oberkörper herumläuft, ist die grenzenlose Freiheit anzumerken, die er auf dem Flußboot genießt. Es gibt keine Eltern und keine Schule, die über ihn bestimmen. Der große Bruder ist der beste Kumpel, den er ganz selbstverständlich an Land ins zwielichtige Milieu begleitet. Sprengstoff, Dope und Titten sind Louis wohl vertraut. Den großen Frachtkahn steuert er auf dem Wasser souverän wie ein Profi. Die Entführung von Rosalie wühlt in dem Jungen plötzlich moralische Fragen auf. Erstmals beginnt er an Julien zu zweifeln. Dessen ruppiger, am Ende gar bösartiger Umgang mit dem Mädchen gibt Louis den Anstoß, mit der Abnabelung von seinem großen Bruder, den er regelrecht als Idol vergöttert, zu beginnen. Seine aufblühenden Liebesgefühle für Rosalie lassen den umtriebigen Knaben in nachdenkliche Stille versinken.
    Regisseur Manuel Pradal hat die schillernde Charakterfigur genial besetzt mit einem fantastischen Filmneuling. Glücksgriff Steve Le Roi hat eine zauberhafte Natürlichkeit. Der Junge besitzt das gewisse Etwas, das ihn die Figur des frechen und zugleich sensiblen Louis perfekt verkörpern läßt. Die Auswahl ist kein Zufall.
    Rosalie Darstellerin Vahina Giocante hatte für Manuel Pradal schon als Teenagerin in "Marie Baie des Anges" (Kleine Engel, kleine Haie) einen 15jährigen Jungen vernascht. Auch in "Ginostra" hatte Pradal mit der Entdeckung von Mattia De Martino für die Hauptrolle ein feinsinniges Gespür für fotogene junge Naturtalente gezeigt.
    Den französischen Filmtitel "La blonde aux seins nus" - die Blonde mit den entblößten Brüsten - nach Motiv und Name des Gemäldes, welches die Brüder aus dem Museum stehlen, fand der Filmverleih wohl für den zugeknöpften Markt in Deutschland zu direkt, woraufhin dann irgendein Komiker beim deutschen Verleih den Titel in "Ein Sommer auf der Seine" ummünzte.
    "Ein Sommer auf der Seine" ist ein Roadmovie, oder besser gesagt ein Rivermovie, mit verhaltenem erotischem Knistern, mit Liebe und Schmerz; ein Kleinganovenstück, ein Familiendrama und ein Coming-of-age Erlebnis. Das alles schwebt in einer Welt zwischen den Ufern, in der elektrisierenden Gewitterhitze des Sommers. (Pino DiNocchio)



    688379 DE - mit Wendecover -
    Tonspur: Deutsch / Französisch
    Untertitel: D
    Länge: 101 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85
    Extras: Wendecover


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