DIE LEHRERIN

  • Film DVD
  • deutsch
    90 Min.
    689061 DE

    Originaltitel: Die Lehrerin
    Regie: Tim Trageser
    Musik:  
    Darsteller: Anna Loos, Meret Becker, Axel Prahl, Julius Nitschkoff, Leo Natalis, Oskar Bökelmann, Sammy Scheuritzel, Max Goppelt, Lukas Schust, Alicia Seydling, Ramona Kunze-Libnow, Christina Große
    Deutschland 2011

    DIE LEHRERIN

    Realschullehrerin Andrea hat nach 15 Berufsjahren genug. Bevor sie der kraftzehrende Job ganz auslaugt, will sie sich verändern. Sie reicht die Kündigung vom Schuldienst ein. Ihre beste Freundin und Kollegin Katja kann nicht glauben, daß dieser überraschende Entschluß Andreas letztes Wort sein soll. Spontan überredet sie Andrea in der Pause zu einem Stundentausch. So ist anstelle von Andrea in der folgenden Unterrichtsstunde Katja in dem Klassenzimmer der 8a, als dort ein Schuß knallt und die Kinder panisch herausstürmen.
    Während die angeschossene Lehrerin Katja im Krankenhaus im Koma liegt, ringt das Lehrerkollegium zusammen mit einem Psychologen um eine Lösung, wie der Schulbetrieb nach diesem schrecklichen Ereignis weitergehen kann. Man trägt Andrea an, die traumatisierte Klasse 8a zu übernehmen. Das ist eine undenkbar schwere Aufgabe, die geschockten Kinder wieder in die Normalität zu führen. Noch dazu trifft es Andreas Gewissen, denn eigentlich hätte sie in jener Stunde an Katjas Platz stehen sollen, als Justin mit der Waffe schoß. Und jetzt muß sie vor den Schülern an die Stelle ihrer Freundin treten, die in ihrer Klasse eine überaus beliebte Lehrerin war.
    Andrea hält es für das Beste, so schnell wie möglich wieder in den regulären Unterricht einzusteigen. Sie kann Katja nicht ersetzen, aber sie kann den Kindern ein Gefühl geben, daß Katja im Geiste weiter unter ihnen ist. So realisiert sie mit der Klasse ein Biologie-Projekt, welches Katja noch geplant hatte: Das Anlegen eines Schulgartens. Es ist ein steiniger Weg. Es muß viel aufgearbeitet werden.
    In ihrem Eifer, die Schüler von dem schrecklichen Erlebnis wegzuführen, vergißt Andrea ihre eigene Bedürftigkeit nach einer therapierenden Befreiung von der Last. Jeden Tag sitzt sie im Krankenhaus an Katjas Bett und hofft auf ein Wunder. In ihrer einsamen Auseinandersetzung mit dem Geschehenen verliert sie sich immer weiter in Wunschvorstellungen. Im Unterricht stößt sie mit ihrer forschen Verdrängungstaktik auf Widerstand. Die Kinder verlangen offene Aussprache. Erst als das beklemmende Schweigen gebrochen wird, erfährt Andrea, was sich an jenem Morgen in der 8a wirklich zugetragen hat...

    Obwohl das reißerische Wort mehrfach fällt, hat der Film mit einem Amoklauf in der Schule nichts zu tun. Auf den Schüler, der im Klassenzimmer einen Schuß abgefeuert hat, wird nicht weiter eingegangen. Justin war nach Meinung der Beteiligten ein "Problemschüler". Mehr wird dazu nicht gesagt, denn die Herleitung der Ursachen für den Vorfall ist nicht Thema des Films.
    Das intensive Psychodrama zeigt die Folgen einer Gewalttat in der Schule aus der Perspektive der traumatisierten Schüler und Lehrer. Die Inszenierung begleitet den Prozeß der Aufarbeitung, bei dem Biologielehrerin Andrea im Zentrum steht. Alles schaut auf sie, wie sie den Kindern gegenübertritt. Von Anna Loos packend und oft in leisen Tönen gespielt, stellt sich Andrea der Herausforderung eines Kampfs an mehreren Fronten. Eltern und Kollegen erwarten von ihr ebenso Rezepte zum Umgang mit ihrer Besorgnis, wie die verstummten Schüler mit angsterfüllten Blicken fragen, ob sie sich je wieder sicher fühlen können.
    Andreas Ansatz, den normalen Lehrbetrieb wieder herzustellen, um einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, läßt sie zunächst stark aussehen. Sie selbst hält über ihre inneren Zweifel immer wieder Zwiesprache mit Katja, die im Koma liegt und Andreas immer weiter von der Realität abgleitende Monologe nicht erwidern kann.
    Die Schüler lassen sich nicht betrügen. Eine wachsende Unruhe in der Klasse, ein sich zuspitzender Konflikt zwischen zwei Jungen, Nico und Marc, signalisiert dringenden Gesprächsbedarf. Andrea kommt mit ihrem Schweigen an der Stelle nicht mehr weiter, und das Filmkonzept, das die Figur des Täters ausblenden will, auch nicht. Es funktioniert nicht ohne eine Analyse des Hintergrunds, nicht ohne zu erarbeiten, was alles schiefgelaufen ist, damit ein 14jähriger in die Schule geht und schießt. Dennoch versperrt sich der Film jeden Zugang zu Justins Geschichte. Die Fixierung des Skripts auf die Figur der Lehrerin, die sich bei ihrem Versuch, die Schüler zu therapieren, festbeißt und dann nicht zuletzt an sich selbst scheitert, läßt keinen Raum für die Durchleuchtung der vorausgegangenen Tat. Die Entwicklung des Motivs aus der Darstellung der Verhältnisse der Schüler untereinander kommt nicht weit. Die Handlung bleibt konsequent bei Andrea und beschreibt ihren langsamen nervlichen Zusammenbruch sowie ihre Genesung.
    Aber nicht nur sie hat am Ende Katjas Tod zu verkraften. Die Schüler, die eine Schlüsselrolle in der Ursache des Unglücks einnehmen, bleiben als tragische Opfer allein. Ihnen hilft niemand. Andrea nimmt schließlich ihre verstorbene beste Freundin in sich auf. Sie wird sich Katjas viele positive, lebensfrohe und hoffnungsvolle Charakterzüge zueigen machen. Das ist eine große persönliche Veränderung. Trotzdem bleibt alles, wie es war. Es wird keine Lehre aus dem Fall gezogen. Die Rückkehr zum Alltag öffnet die Bahn für einen neuerlichen Gewaltzyklus, wenngleich die statistische Wahrscheinlichkeit, daß sich dasselbe am selben Ort wiederholt, kaum gegeben ist. Der nächste Schuß wird aus demselben Grund fallen, nur an einem anderen Ort. (Pino DiNocchio)



    689061 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: keine
    Länge: 90 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
    Extras: 16-seitiges Booklet
    - minus - Covermotiv mit Zensurzeichen überdruckt


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