NICHT ALLE WAREN MÖRDER

  • Film DVD
  • deutsch
    95 Min.
    662709 DEnicht mehr im Handel

    Originaltitel: Nicht alle waren Mörder
    Regie: Jo Baier
    Musik:  
    Darsteller: Nadja Uhl, Aaron Altaras, Hannelore Elsner, Maria Simon, Katharina Thalbach, Dagmar Manzel, Axel Prahl, Martin Stührk
    Deutschland 2006

    NICHT ALLE WAREN MÖRDER

    Aus einem Berliner Mietshaus werden alle jüdischen Bewohner herausgetrieben und abtransportiert. Geistesgegenwärtig reißt sich Anna Degen den Judenstern vom Mantel und läuft mit ihrem 11jährigen Sohn Michael mitten durch die SS-Reihen aus dem Haus.
    Erst kurz zuvor war der Familienvater an den Folgen der Mißhandlungen gestorben, die er während der Inhaftierung im KZ erlitten hatte. Annas Freundin Lona, die das Textilgeschäft der Familie weiterführt, seit den Juden die Geschäftstätigkeit untersagt wurde, bringt Mutter und Sohn bei der als Exilantin in Deutschland lebenden russischen Gräfin Ludmilla unter. In deren großem Stadthaus können sie sich unter den falschen Namen Rosa und Max Gemberg im Hinterzimmer verstecken. Während eines Luftangriffs wird das Haus getroffen. Anna und Michael flüchten sich aus den brennenden, einstürzenden Gemäuern.
    Erneut müssen sie einen Unterschlupf finden. Immer wieder gibt es Menschen, die den untergetauchten Juden helfen. Einige tun es auch nur aus purer Geldgier wegen der Bezahlung; so wie die Frau, die in ihrer Wohnung sogar ihre eigenen Töchter als Lustmädchen an fremde Männer vermietet. Nie können die Flüchtlinge sicher sein, ob sie nicht doch von irgend jemandem verraten werden.
    Schließlich finden Anna und Michael ein Versteck im Haus eines Kommunisten in einem Vorort von Berlin. Damit er nicht auffällt, zieht man "Max" eine HJ-Uniform an; in anderer Kleidung läuft kaum noch ein Kind auf den Straßen herum. Bei der ersten Begegnung mit einem Hitlerjungen aus der Nachbarschaft zeigt Michael Schneid. So freundet er sich mit dem gleichaltrigen Rolf an, dessen Vater Lokführer bei der Reichsbahn ist. Bei einer nächtlichen Razzia müssen Anna und Michael aus dem Haus fliehen.
    Nun kommen sie bei Rolf und seinem Vater unter. Der alleinerziehende Mann ist froh um eine geschickte Frau im Haushalt. Sein Gewissen leidet schwer darunter, daß er in den Zügen gefangene Menschen in die Lager fährt, von wo sie nie wieder zurückkommen. Als die zwei Jungen im Wald mit Granatsplittern spielen, passiert ein Unglück...

    Michael Degen hat dank des couragierten Handelns verschiedener Menschen die Nazi-Zeit überlebt. Nach dem Krieg wurde er Schauspieler. "Nicht alle waren Mörder" ist die Verfilmung seiner Autobiografie, in der er von den drei schrecklichsten Jahren seiner Kindheit berichtet.
    Regisseur Jo Baier bürgt als Spezialist für heimathistorische Familiendramen für höchste Qualität. Er legt ein gänzlich unpathetisches Werk vor. Man kann ständig die permanente Angst spüren, die Anna und Michael in so vielen kritischen Lagen im Gesicht steht. Wie Gespenster huschen sie durch Berlins Straßen, verkriechen sich, versuchen sich unsichtbar zu machen. Jeder Moment kann eine fatale Wende bringen. Jedes Vertrauen in einen anderen Menschen ist verbunden mit Bangen und Zittern. Immer wieder steht die Mutter Todesängste aus, während der Junge trotz aller widriger Umstände versucht, ein bißchen normale Kindheit auszuleben. Nachwuchsdarsteller Aaron Altaras findet sich mit einer beeindruckenden Schauspielleistung großartig in die Rolle des jungen Michael Degen hinein.

    Mit dem Titel "Nicht alle waren Mörder" setzt Degen als einer von der Judenverfolgung durch die Nazis selbst Betroffener ein Zeichen, daß das Thema noch andere Seiten besitzt als sie stets betriebene Pauschalverurteilung der Deutschen. Es gab jene Deutschen, die auf die eine oder andere Art, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen, verfolgten jüdischen Mitbürgern geholfen haben. Die Anerkennung dieser Tatsache ist die Voraussetzung für eine Aussprache und die Bewältigung der Vergangenheit. Solange nämlich von jüdischer Seite dem deutschen Volk eine ewigwährende Kollektivschuld angelastet wird und sogar die zu jener Zeit noch nicht geborenen Generationen diffamiert werden, gibt es keine Verständigung. Michael Degen bricht mit seinem Buch und dem Film dazu aus der Sackgasse aus. Mit diesem engagierten Schritt ermöglicht er erstmals einen offenen Dialog, und das ist dringend nötig. Es ist zu hoffen, daß eine junge Generation jüdischer Mitbürger die Chance nutzt, von der vorwurfsvollen Distanziertheit abzukehren und sich als normale Bürger in unserer pluralistischen Gesellschaft zu integrieren. Damit kann den neonazistischen Umtrieben am effektivsten entgegengewirkt werden. (Pino DiNocchio)


    662709 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: D
    Länge: 95 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
    Extras: Making of


    ©   2006 / 2007 by TAMINGO Media Publishing