DIE BRÜCKE (2008)

  • Film DVD
  • deutsch
    102 Min.
    680569 DEnicht mehr im Handel

    Originaltitel: Die Brücke
    Regie: Wolfgang Panzer
    Musik:  
    Darsteller: Franka Potente, Lars Steinhöfel, François Goeske, Paula Schramm, Robert Höller, Florian Heppert, Daniel Axt, Toni Deutsch, Alexander Becht, Michael Lott, Gerd Wameling
    Deutschland 2008

    DIE BRÜCKE (2008)

    Im Frühjahr 1945 ist der Krieg für Deutschland praktisch verloren. Trotzdem holt die Wehrmacht noch 16jährige Halbwüchsige aus den Schulen. Albert, Walter und fünf weitere ihrer Klassenkameraden werden eingezogen. Mit heller Begeisterung wollen sie Führer und Vaterland verteidigen. An die ferne Front geht es aber zu ihrer Enttäuschung nicht. Der verantwortliche Offizier will die Jungs aus Kampfhandlungen heraushalten. Deshalb postiert er die Schüler zur Bewachung der strategisch unwichtigen Brücke über den Fluß. Dort vermutet er keine Gefahr für sie.
    Walters Vater ist der örtliche Parteiführer. Er versucht vergeblich, seinen Sohn vom Waffengang abzuhalten. Unterstützung findet er schließlich in der Lehrerin, die mit Walter ein Liebesverhältnis hat und alles unternimmt, um den Jungen von dem Einsatz an der Brücke wegzuholen. Die fanatisierten Jungsoldaten denken nicht daran, den Befehl ihres Vorgesetzten in Frage zu stellen. Sie sind fest entschlossen, ihren treuen Beitrag für die Verteidigung zu leisten und wehren sich gegen jede Einmischung durch wehrkraftzersetzende Elemente. Auch nachdem ihr Unteroffizier verschwindet, bleiben sie auf der Brücke.
    Zuerst fahren nur Transporte mit verwundeten Soldaten auf dem Rückzug vor den Amerikanern über die Brücke. Dann rollt der erste amerikanische Panzer an. Mit voller Wucht bricht das Grauen des Tötens über die Jugendlichen herein. Direkt vor ihren Augen sehen sie, was ihre Waffen anrichten. Mit mehr Glück als Verstand halten die unerfahrenen Junge zunächst die Stellung gegen die kampferprobten US-Soldaten. Die Kämpfe weiten sich auf die umliegenden Häuser aus. Im Morgengrauen sind mehrere der Jungen tot, und die Amerikaner sind verschwunden. Walter und Albrecht sind die einzigen Überlebenden, doch für ihren Sieg, die erfolgreiche Verteidigung der Brücke, werden die jungen Helden von dem eintreffenden Wehrmachts-Kommando nur verspottet. Die Brücke sollte sowieso gesprengt werden...

    Der ironische Bezug zum Originalfilm "Die Brücke" von 1959 ist der, daß die Brücke nicht vor den Dreharbeiten zu diesem platten Plagiat gesprengt wurde - dann wäre uns Zuschauern nämlich dieses Elend erspart geblieben!
    Den Stoff für das jugendliche Mainstream Publikum von heute zugänglich zu machen, das war das Ziel der Produzenten, die im Auftrag eines kommerziellen Unterhaltungs-TV Senders einen der meistgeschätzten westdeutschen Antikriegsfilme neu gedreht haben. Daß dies nur geht, indem man der Vorlage jegliche Substanz entzieht und die Charakterentwicklung der Figuren komplett wegstreicht, damit nur noch einen hohles Gesülze übrig bleibt, das enthüllt einen erschreckenden Verfall des kulturellen Niveaus. Ist in nur wenigen Jahrzehnten die deutsche Jugend so verdummt, daß sie einem brillanten Film wie "Die Brücke" von 1959 geistig nicht mehr folgen kann? Bei dieser klischeehaften TV-Soap mußte einer der Jungen sogar einer Geschlechtsumwandlung unterzogen werden, damit anstelle der ursprünglichen Handlung eine heterosexuelle Liebesgeschichte erfunden werden kann. Neben dem Geblinzel zwischen dem schüchternen Albert und der blondzöpfigen Paula gibt es noch eine härtere Nummer: Schüler Walter treibt es mit dem Fräulein Lehrerin im Swimming Pool der Schule!
    Vor der Kamera stehen junge Männer, denen man die 16jährigen Teenager definitiv nicht abnimmt, die sie angeblich sein sollen. Altersgerecht besetzt erscheint nur Daniel Axt, der mit dem Schützen Jürgen den kleinsten von den Jungs spielt. Auch François Goeske kann man noch als Schüler durchgehen lassen, die übrigen sind zu alt und wirken albern, wenn sie so tun als wären sie gerade 16 geworden.
    Wo in Bernhard Wickis Originalfilm fast zwei Drittel auf die Entwicklung der Charaktere der einzelnen Jungs verwendet werden, um aus der jeweiligen familiären Situation die psycho-sozialen Hintergründe für deren blinde Gefolgschaft und Kriegsbegeisterung zu analysieren, beginnt das TV-Abenteuer mit der frechen Romanze und geht dann gleich zügig ins Gefecht. Die Schüler werden dem Kommando eines gleichaltrigen Napola-Absolventen unterstellt. Ihre Grundausbildung besteht aus einem eintägigen Gebrüll, mit dem sie von den Vorgesetzten zusammengeschrien werden. So geht es beim Militär zu. Den größten Teil des Films wird geschossen und gestorben. Optisch ist das ganz ordentlich gemacht. Aber in einem solchen melodramatischen Actionfilm stirbt auch als erstes die eigentliche Botschaft. (Pino DiNocchio)


    680569 DE
    Tonspur: Deutsch
    Untertitel: D
    Länge: 102 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.78
    Extras: Audiokommentar; Making Of; Interview mit Gregor Dorfmeister; Nicht verwendete Szenen


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