WHOLE NEW THING |
|||
|---|---|---|---|
92 Min. deutsche Untertitel | 665028 DE | nicht mehr im Handel |
| Originaltitel: | Whole New Thing | ![]() |
| Regie: | Amnon Buchbinder | |
| Musik: | ||
| Darsteller: | Aaron Webber, Daniel MacIvor, Rebecca Jenkins, Robert Joy, Callum Keith Rennie, Hugh Thompson, Drew O'Hara, Ryan Hartigan, Geordie Brown | |
| Kanada 2005 |
Gerade hat der 13jährige Emerson seinen ersten Roman fertiggestellt - und findet an diesem Morgen auf dem Bettlaken die Spur seines ersten feuchten Traums. Vieles verändert sich jetzt.
Emerson lebt mit seinen Eltern in einem abgelegenen Haus in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Die Familie hat sich für die Abgeschiedenheit von menschlichen Siedlungen entschieden.
Unterrichtet haben die Eltern ihren Jungen bisher zu Hause. Nun halten es Kaya und Rog aber doch für nötig, daß Emerson die Schule in der nächsten Stadt besucht. Denn außer Bücher schreiben und neuerdings onanieren hat der Teenager keine Interessen. Das ist zu wenig Vorbereitung auf das Leben nach der Jugend.
Äußerst widerwillig geht Emerson also in die Schule. Dort wird der Sonderling auch gleich von den Mitschülern gemobbt. Dem blitzgescheiten Jungen ist das alles zu primitiv. Mit seiner Intelligenz ist er den gleichaltrigen Kameraden weit überlegen. Emerson begegnet deren dummen Pöbeleien und Provokationen mit verbaler Schlagfertigkeit.
Den Englischlehrer Don Grant findet Emerson aber eine recht interessante Person. Mr. Grant seinerseits ist entzückt, daß der neuen Schüler das Niveau der Lektüre in der Klasse mächtig hochschraubt. Auf Emersons Wunsch wird statt Trivialliteratur jetzt Shakespeare gelesen.
Von Don fühlt sich Emerson verstanden. In dem Intellektuellen sieht der Teenager einen ebenbürtigen Freund. Er vertraut ihm sogar das ungelesene Manuskript seines Romans an, um von einem kompetenten Kritiker eine ehrliche Meinung dazu zu bekommen. Emersons Schwärmerei für den Lehrer wird immer fordernder. Als der Schüler in seiner Natürlichkeit und Unbekümmertheit dem Lehrer offene Liebesavancen macht, bringt das den homosexuellen Pädagogen in tiefe Bedrängnis...
Emerson ist ein scharfer Beobachter. Dem sensiblen Jungen entgeht nicht, daß seine Eltern eine Beziehungskrise haben. Die Mutter hat eine Affäre, der Vater weiß davon. Das sich auflösende Familiengefüge bestätigt den Heranwachsenden in seinem Selbstverständnis, daß man seine Gefühle so leben soll, wie sie kommen, ohne auf Etiketten Rücksicht zu nehmen. Emerson kümmert die Einteilung in schwul und hetero nicht. Er ist in seinen Lehrer verliebt, ohne sich deshalb gleich festzulegen.
Emerson versteht sich auf die Kunst der Manipulation, das hat er von seinen psychologisierenden Eltern gelernt. Seine verführerische Art setzt der schöne Knabe auch bei Don ein, als er ihn in die Sauna lockt. Don reagiert panisch auf Emersons Annäherungsversuche. Eine Liebe zwischen Schüler und Lehrer ist verboten, wird gar von der Gesellschaft als Verbrechen behandelt. Beim Versuch Don näherzukommen, entdeckt der 13jährige dessen heimliches Leben als Homosexueller. Don holt sich anonymen Sex in der Klappe! Aus Trotz gegen Dons Zurückweisung läßt sich der neugierige Teenager dort auf ein gefährliches und komisches Abenteuer mit einem Kunden ein.
"Whole New Thing" begleitet einen hochintelligenten Teenager in die Pubertät, der seine scharfsinnigen Analysen in künstlerische Kreativität umsetzt. Emerson hält sich für einen abgeklärten Typen, den nichts erschüttern kann - außer vielleicht ein unvermittelt eingefangenes blaues Auge aus der Faust eines intoleranten Mitschülers. Die äußerst freie Erziehung, wo ihm die Eltern mitunter solche Ratschläge geben wie häufiger zu masturbieren, damit der Umwelt zuliebe die Bettwäsche weniger oft gewechselt werden muß, hilft dem Jungen in dem Moment gar nicht, wo die Erwachsenen ihre eigenen Herausforderungen des Lebens nicht bestehen.
Don Grant ist die traurige Person in dem kleinen Drama. Seine feste Beziehung war gescheitert, er kann sich nicht binden. Vor Emersons aufrichtiger Zuneigung flüchtet Don nicht nur, weil er ein Verhältnis mit einem Minderjährigen nicht riskieren will. Der Mann fürchtet sich vor seinen eigenen Gefühlen. Er gehört zu einer Generation, die ihre Homosexualität nicht offen leben konnte; das Doppelleben ist der Nährboden für Heuchelei und Bindungsunfähigkeit.
Der junge Emerson gelangt in eine Welt, wo Theorie und Praxis weit auseinanderliegen. Er wächst in einem liberalen Elternhaus auf, wo er darin bestärkt wird, so zu sein wie er ist. Doch dann erlebt er, daß ihm allerorten Intoleranz, Verlogenheit und Feigheit entgegenschlägt. "Whole New Thing" liefert damit das Zeitportrait einer Ära des gesellschaftlichen Werteumbruchs.
Der junge Aaron Webber spielt in seinem Filmdebut den smarten Knaben wirklich kongenial. Vor dem Hintergrund seiner natürlichen Erscheinung bringt Aaron den feinen Witz in seiner Charakterfigur zum Tragen. Irgendwie steht dieser liebenswerte Emerson mit seinem abgeklärten Ego stets über allen Leuten, die sich ihm gegenüber ignorant verhalten.
(Pino DiNocchio)
![]() |
665028 DE | |
| Tonspur: | Englisch | |
| Untertitel: | D | |
| Länge: | 92 Min. | |
| Bild: | 16:9 Widescreen 1:1.85 | |
| Extras: | Audiokommentar mit Amnon Buchbinder und Daniel MacIvor, deleted Scenes, Interviews auf Texttafeln |
![]() | ![]() |