DIE ROTE ZORA (2008) |
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95 Min. | 669799 DE | ||
99 Min. | 767999 DE | nicht mehr im Handel |
| Originaltitel: | Die Rote Zora | ![]() |
| Regie: | Peter Kahane | |
| Musik: | Detlef F. Petersen | |
| Darsteller: | Linn Reusse, Jakob Knoblauch, David Berton, Pascal Andres, Woody Mues, Mario Adorf, Ben Becker, Dominique Horwitz, Nora Quest, Jan Jakob Müller, Eric Neumann | |
| Deutschland / Schweden 2008 |
Als Brankos Mutter stirbt, wandert der Junge in den nahegelegenen Fischerort an der Küste Dalmatiens. Er hofft, irgendwo seinen Vater zu finden, der als Geiger mit einer Musikkapelle auf Tour ist. Doch der 12jährige Branko landet unversehens hinter Gittern, weil er beschuldigt wird, auf dem Markt einen Fisch gestohlen zu haben. Mit Dieben verfährt man in dem Städtchen streng.
Ganz besonders ärgern sich die Bürger schon seit längerem über ein herumstreunendes freches Mädchen, das wegen seiner feuerroten Haare die "Rote Zora" genannt wird. Zora und die drei Jungs Duro, Nicola und Pavle sind Waisenkinder ohne Heim, sie müssen stehlen, um zu überleben. Aber sie sind flink genug, sich nie schnappen zu lassen. Mutig befreit Zora den schüchternen Neuankömmling aus dem Gefängnis.
Branko wird von der Bande der Roten Zora aufgenommen. In der Burgruine der Uskoken oberhalb der Stadt haben die Kinder ihr Versteck. Dem braven Branko kommt das gesetzlose Leben der Bande gar nicht geheuer vor. Aber er begreift bald, daß er ohne den Schutz durch die neuen Freunde kaum durchkommen kann. Zusammenhalt und Solidarität in der Gruppe ist Zoras oberstes Gesetz.
Das ist besonders wichtig, wenn sie in Konflikt mit den Buben der reichen Bürger kommen, den Gymnasiasten. Bei den Keilereien kennt keine Seite Gnade. Auf einen Angriff folgt sogleich die Rache, und das hinterläßt stets ein Chaos, in das mitunter der ganze Ort verwickelt wird.
Auf der Flucht vor den Gendarmen finden die Kinder Unterschlupf bei dem alten Fischer Gorian. Der kann einige helfende Hände gut brauchen. Gemeinsam gelingt ihnen in der Bucht ein mächtiger Fang. Doch der halsabschneiderische Fischgroßhändler Karaman, der in der Gegend das Geschäft beherrscht, will Gorian die Fische nur abkaufen, wenn der alte Fischer ihm dazu auch noch sein Fangrecht abtritt. Das kommt für Gorian überhaupt nicht in Frage.
Innerhalb der Kinderbande gibt es bald Reibereien, Mißtrauen und Eifersucht. Vor allem Duro hegt von Beginn an Mißgunst gegen Branko. Duro ist nämlich in Zora verliebt, Zora hat sich jedoch in Branko verliebt, und Branko ist fasziniert von Zlata, der Tochter des Bürgermeisters Ivekovich. Zlata spielt nämlich Geige. Branko besucht sie mehrfach heimlich, er möchte auch das Geigespielen lernen. Das Mädchen aus feinem Hause ist zögerlich, weil sie weiß, daß es sich nicht schickt, sich mit einem Straßenjungen abzugeben.
Zora und die Jungs sind wütend, als sie von Brankos "Verrat" erfahren. Schließlich gehört der Bürgermeister zu ihren Erzfeinden...
Das "Z" steht nicht für Zorro, obwohl der rebellische Freigeist einiges mit seiner kleinen kroatischen Schwester Zora gemeinsam hat. Den älteren Zeitgenossen ist "Die Rote Zora" noch als jugoslawische TV-Serie von 1979 bekannt. Der neue Spielfilm ist natürlich in der Optik ein bißchen moderner, dabei hat man unnötigerweise auch die Charaktere der Jungs beim Casting vertauscht. Geglückt ist noch die Wahl von Linn Reusse als Darstellerin der Zora, ebenso wie die hübsche Neuentdeckung Jakob Knoblauch als romantischer Branko.
Aber bei den anderen Rollen ist die Besetzung teilweise echt daneben geraten, nicht zuletzt auch, weil man aus der ursprünglichen Kinderbande eine Gruppe aus deutlich älteren Teenagern gemacht hat.
Wenig überzeugend ist auch Mario Adorf, der wieder mal in seiner übertrieben väterlichen Pose den guten Opa spielt, welcher den Leuten oberlehrerhaft die Moral ins Gewissen redet. Dominique Horwitz schlägt in der verhaltenen Inszenierung wie eine Rakete ein, wenn er mit seiner imposanten Erscheinung und sprachgewaltigem Auftritt von der Klasse eines Bühnendramatikers den autoritären Bürgermeister Ivekovic mimt und sich von dem rotzigen Geschäftemacher Karaman, gespielt von Ben Becker, zu korrupten Amtshandlungen bestechen läßt. Beide Schauspieler sind überqualifiziert für so einen Film und wirken darin etwas deplaziert.
Die Umsetzung bietet ein spaßiges Abenteuer mit vielen lustigen Streichen, zeigt aber gleichzeitig auch den sozialkritischen Hintergrund des Romans auf.
In dem Mädchen Zora verkörpert sich das Opfer einer vorindustriellen Sippengesellschaft mit barbarischer Ordnung. Sie ist die einzige Überlebende einer Blutfehde. Ihre ganze Familie wurde ermordet, der Vater und alle Brüder wurden erschlagen, die Mutter starb am Kummer darüber. Zoras Konsequenz daraus ist die totale Ablehnung der Gesellschaft. Sie widersetzt sich den entwürdigenden Regeln und lebt als Anarchistin nach ihrem eigenen Gesetz.
Die Jungen in ihrer Bande haben ähnliche Schicksale, alle diese Kinder sind Ausgestoßene. Sie alle haben ihre ganz persönlichen Träume von einer besseren Zukunft. Nicola sammelt Fotos von Filmstars, er möchte einmal eine schöne Schauspielerin heiraten; Pavle trainiert seine Muskeln, damit ihn nie wieder jemand so verprügelt, wie sein versoffener Vater es getan hat; Tierliebhaber Duro hält sich einen zahmen Falken; und Branko möchte Geiger werden wie sein Vater.
Am Ende erkämpfen sich die als Diebe verrufenen Jugendlichen mit Gorians Hilfe Anerkennung bei den Bürgern. Sie werden wieder in die Gemeinschaft aufgenommen und als Menschen respektiert. Die Geschichte spielt in einem mediterranen Fischerort in den 1930er Jahren, aber es ist ein Sozialdrama, wie es sich bei Straßenkindern in jeder heutigen Stadt der Welt fortwährend wiederholt.
Gedreht wurde die deutsch-schwedische Coproduktion in Montenegro, wo die malerische, bergige Küstenlandschaft an der blauen Adria eine authentische Kulisse bietet.
Komisch allerdings, daß die Jungs in dem Film dauernd in den vollen Klamotten im Meer rumschwimmen. So zugeknöpft war die Jugend an der sonnigen, heißen Mittelmeerküste auch im vorigen Jahrhundert gewiß nicht.
(Pino DiNocchio)
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669799 DE | |
| Tonspur: | Deutsch | |
| Untertitel: | D | |
| Länge: | 95 Min. | |
| Bild: | 16:9 Widescreen 1:1.78 | |
| Extras: | Interviews, entfallene Szenen, verpatzte Szenen |
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769799 DE - mit Wendecover - | ![]() | |
| Tonspur: | Deutsch | ||
| Untertitel: | D | ||
| Länge: | 99 Min. | ||
| Bild: | 16:9 Widescreen 1:1.78 | ||
| Extras: | Wendecover;Interviews, entfallene Szenen, verpatzte Szenen |
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