PRAYERS FOR BOBBY |
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87 Min. | 683549 DE | nicht mehr im Handel | |
87 Min. | 683545 DE | nicht mehr im Handel | |
87 Min. | 783549 DE | nicht mehr im Handel |
| Originaltitel: | Prayers for Bobby | ![]() |
| Regie: | Russell Mulcahy | |
| Musik: | ||
| Darsteller: | Sigourney Weaver, Henry Czerny, Ryan Kelley, Austin Nichols, Rebecca Louise Miller, Scott Bailey, Dan Butler, Carly Schroeder, Shannon Eagen | |
| USA 2009 |
Walnut Creek, Californien, 1979. Teenager Bobby fühlt sich immer unwohler im Kreise seiner streng religiösen Familie. "Wenn es nach mir ginge, würde ich alle warmen Brüder an die Wand stellen und erschießen lassen!", predigt die Großmutter am Kaffeetisch. Bobby fürchtet sich vor dem Tag der Wahrheit. Schon lange weiß er, daß er auf Jungs steht. Aber das darf nicht sein, jedenfalls nicht in dieser Familie. Es ist völlig undenkbar. Sehnsuchtsvoll kreuzt Bobby an einem bekannten schwulen Lokal vorbei. Er kann es nicht ändern.
Bevor ihn der Druck zerreißt, vertraut sich Bobby seinem großen Bruder an. Der jedoch bricht sein Versprechen zu schweigen und tischt die Sache der Mutter auf. "Ich habe keinen schwulen Sohn!", stellt Mary selbstherrlich fest. Sie hält Bobbys gleichgeschlechtliche Liebesgefühle für eine Krankheit, von der sie ihn durch intensive Gebete heilen will. Psychologen und Pastoren werden bemüht, um dem Jungen seine Homosexualität auszutreiben, regelrecht wie bei einem Exorzismus.
Um Abstand von dem Terror seiner Familie zu finden, folgt Bobby einer Einladung seiner Cousine, sie in Portland zu besuchen. Die liberal eingestellte Jeanette führt in Portland ein freizügiges Leben. Bobby genießt die Nächte in den Clubs. Es ist die Ära der Discomusik, mit der die Schwulenszene sich laut und schrill konstituiert.
Bobby lernt einen netten jungen Mann kennen und lieben. Er steht auch nach seiner Rückkehr vor seiner Familie dazu. Mutter Mary lehnt weiter auf brutale Weise ab, "was" Bobby ist.
Bobby zieht die Konsequenz aus der gnadenlosen Ablehnung und verläßt sein Elternhaus. Er zieht nach Portland, um mit David zusammen zu sein. Dessen Familie empfängt ihn offen und freundlich. Bobby ist frei, aber er ist durch die Erziehung so auf die enge Bindung an seine Familie konditioniert, daß er sich ohne sie vollkommen einsam vorkommt. Ihm fehlt jetzt die vertraute Nestwärme. Und als David ihm untreu wird, weiß Bobby keinen Ausweg mehr...
Bobby Griffith nahm sich aus tiefster Verzweiflung das Leben. Er war so auf seine Mutter fixiert, daß deren fanatische Verteufelung der Homosexualität ihm die Luft abschnürte. Die gefühlskalte Anonymität der schwulen Subkultur, der er sich im Nachtleben von Portland unerwartet ausgesetzt sah, mag ihn zusätzlich deprimiert haben. Aber letztendlich bekannte sich Mary Griffith allein moralisch schuldig, ihren Sohn in den Tod getrieben zu haben. In ihrem fundamentalistischen christlichen Glauben war sie tatsächlich überzeugt, die Homosexualität ihres Sohnes sei eine Irrung, welche durch die Hinwendung zu Gott geheilt werden könne.
Die Verfilmung der wahren Geschichte zeigt Bobbys Leidensweg und Marys Läuterung. Effektvoll und symbolstark gestaltet ist die Szene, wo Mary an ihrem Arbeitsplatz von Bobbys Freitod erfährt. Sie möchte wegrennen, doch sie steht am Gitter und rüttelt verzweifelt, sie ist gefangen und kann nicht raus. Dieses Bild steht für die ganze Verkettung von Abhängigkeiten und Selbstisolation, in die sich Mary verirrt hat, und worin sie deshalb auch ihren jüngsten Sohn verloren hat.
Mary Griffith schwor nach Bobbys Tod der menschenverachtenden Lehre ihrer Presbyterianischen Kirche ab und setzte sich an die Spitze einer Selbsthilfeinitiative für Eltern schwuler und lesbischer Teenager, um für die Akzeptanz und die Rechte der Schwulen und Lesben einzutreten. Man mag der Frau für ihren Umgang mit Bobby, der zu seinem Tod geführt hat, mildernde Umstände zubilligen, weil sie an einer religiösen Psychose litt. Die wahren Täter, nämlich diejenigen radikalen christlichen Kirchen, die eine derart antihomosexuelle Glaubensdoktrin verbreiten und in die Köpfe der Menschen einpflanzen, blieben und bleiben ungestraft.
Sigourney Weaver spielt die vielgesichtige Mary Griffith. Für die Besetzung von Bobby hat man sich mit Ryan Kelley für einen jungen Schauspieler entschieden, der sich bisher erfolgreich bemüht hat, tiefgründige, in sich gekehrte Charaktere darzustellen. In "The Dust Factory" hatte Ryan mit einer fantastischen Performance als Lead Act überzeugen können. Die Figur von Bobby in ihrer Ambivalenz aus emotionaler Zerbrechlichkeit und dem kämpferischem Eigensinn sich selbst treu zu bleiben entspricht genau Ryans charakterschauspielerischem Profil.
"Prayers For Bobby" läßt den Zuschauer die Qualen eines schwulen Coming Outs in der Angstatmosphäre der schwulenfeindlichen Moral eines dominanten Elternhauses fühlen. Auch drei Jahrzehnte danach gibt es trotz aller inzwischen erfolgter gesellschaftlicher Liberalisierung noch junge Bobbys, die es aus den Fängen fanatischer christlicher Kirchen zu befreien gilt.
(Pino DiNocchio)
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683549 DE - mit Wendecover - | ![]() | |
| Tonspur: | Deutsch / Englisch | ||
| Untertitel: | keine | ||
| Länge: | 87 Min. | ||
| Bild: | 16:9 Widescreen 1:1.78 | ||
| Extras: | Wendecover; Remembering Bobby, The Real Mary Griffith (Texttafeln), umfangreiche Bildergalerie |
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683545 DE - mit Wendecover - | ![]() | |
| Tonspur: | Deutsch / Englisch | ||
| Untertitel: | keine | ||
| Länge: | 87 Min. | ||
| Bild: | 16:9 Widescreen 1:1.78 | ||
| Extras: | Wendecover; Remembering Bobby, The Real Mary Griffith (Texttafeln), umfangreiche Bildergalerie |
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783549 DE - mit Wendecover - | ![]() | |
| Tonspur: | Deutsch / Englisch | ||
| Untertitel: | keine | ||
| Länge: | 87 Min. | ||
| Bild: | 16:9 Widescreen 1:1.78 | ||
| Extras: | Wendecover; Remembering Bobby, The Real Mary Griffith (Texttafeln), umfangreiche Bildergalerie |
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